Mehr Aufträge: Kommt die Wende beim Wohnungsbau?

Mehr Aufträge: Kommt die Wende beim Wohnungsbau?

Die Fassade eines im Bau befindlichen Mehrfamilienhauses mit Hubarbeitsbühnen.


analyse

Stand: 26.01.2026 10:32 Uhr

In Deutschland fehlen bezahlbare Wohnungen – vor allem für jüngere und ältere Menschen. Nun gibt es erste Hoffnungsschimmer: mehr Baugenehmigungen. Bringt das die Wende?

Hans-Joachim Vieweger

Seit Jahren schrumpft der Wohnungsbau. 400.000 neue Wohnungen pro Jahr hatte sich die frühere Ampel-Regierung vorgenommen. Fertiggestellt wurden von Jahr zu Jahr aber immer weniger: 2024 waren es noch rund 250.000 neue Wohnungen, 2025 könnte die Zahl Branchenbeobachtern zufolge auf 210.000 bis 230.000 gefallen sein. Angesichts der Zuwanderung zum Beispiel aus der Ukraine haben sich die Probleme auf dem Wohnungsmarkt damit verschärft.

Ifo-Experte sieht “Silberstreif am Horizont”

Doch es gibt positive Signale: So steigt die Zahl der Baugenehmigungen seit Mitte 2025 wieder an. Und zuletzt meldete die Baubranche einen höheren Auftragseingang gerade auch aus dem sogenannten Hochbau, zu dem der Wohnungsbau gehört. Branchenkenner Klaus Wohlrabe vom Münchner ifo-Institut spricht denn auch von einem “Silberstreif am Horizont” – die Talsohle im Wohnungsbau dürfte durchschritten sein.

Allerdings zeigen die Umfragen des ifo-Instituts bei Unternehmen auch, dass weiterhin strukturelle Probleme bestehen. Diese reichen von den gestiegenen Zinsen bis hin zu staatlichen Auflagen, die Investitionen in den Wohnungsbau unattraktiver gemacht haben. Daran müsse gearbeitet werden, sagt Axel Gedaschko vom Verband der Wohnungswirtschaft GdW. Er begrüßt aber, dass inzwischen mehr Geld für den sozialen Wohnungsbau bereitgestellt wird, sowohl vom Bund als auch von den Ländern.

Milliarden für den sozialen Wohnungsbau

Bereits die Ampel-Regierung hatte die Mittel dafür aufgestockt, Schwarz-Rot knüpft daran an. Laut Bauministerin Verena Hubertz (SPD) sollen zwischen 2025 und 2029 vom Bund 23,5 Milliarden Euro für den Bau von Sozialwohnungen und den Bereich Junges Wohnen, also zum Beispiel für Wohnheime, zur Verfügung gestellt werden.

Bereits beschlossen ist der so genannte “Bau-Turbo”, der Baugenehmigungen vereinfachen soll. Die Umsetzung muss aber vor Ort geschehen, betont GdW-Präsident Gedaschko: “Die Kommunen haben den Zündschlüssel für den Bau-Turbo in der Hand. Sie müssen das Gesetz vor Ort zur Anwendung bringen.” Dafür müssten Städte und Gemeinde auch neue Flächen für den Wohnungsbau ausweisen.

Billiger und einfacher bauen – aber auch rechtssicher

Helfen könnte dem Wohnungsbau auch ein anderes Projekt, über das seit Jahren in der Branche und der Politik beraten wird – der so genannte Gebäudetyp E. Das “E” steht dabei für einfach und experimentell. Es soll Bauherren erlauben, von klassischen Baustandards abzuweichen und damit neue Spielräume für innovatives Planen und kostengünstiges Bauen eröffnen. Bauministerin Hubertz hat dafür zusammen mit Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) erste Eckpunkte vorgelegt. Dabei geht es insbesondere darum, das Vertragsrecht so anzupassen, dass Planer und Bauunternehmer rechtssicher arbeiten können.

Das sei zentral, sagt Iris Schöberl vom Verband der Immobilienwirtschaft ZIA. Manche Vorgaben gesetzlicher Art, aber auch DIN-Vorschriften hätten das Bauen in den vergangenen Jahren immer teurer gemacht. Vieles davon seien aber nur “Komfortstandards”: “Wir reden hier über die Dicke der Decken oder die Frage, wie viele Steckdosen wo angebracht sein müssen.” Das höre sich vielleicht lächerlich an, sagt Schöberl, koste in der Summe aber viel Geld. Auch bei der Frage, ob Gebäude eine Tiefgarage bräuchten oder überhaupt unterkellert werden müssten, sei mehr Flexibilität wichtig.

Förderprogramme nachjustieren

Auch nach Einschätzung von ifo-Experte Wohlrabe hat die Politik durchaus noch Möglichkeiten, den Wohnungsbau zu fördern. Neben dem Abbau von Bürokratie und Vorschriften denkt er dabei vor allem an die Förderprogramme durch die staatliche KfW-Bank. Diese müssten überprüft und gegebenenfalls neu aufgelegt werden.

Erst vor kurzem hat der Bund die Vorgaben für zinsverbilligte KfW-Kredite gelockert. Zuvor hatte sich gezeigt, dass Programme mit besonders strengen energetischen Auflagen wegen der damit verbundenen Kosten kaum genutzt wurden. Seit Mitte Dezember gilt nun, dass mit den entsprechenden Programmen auch Gebäude gefördert werden, die den Effizienzhaus-Standard EH55 erfüllen, und nicht wie zuvor den noch strengeren Maßstab EH40.

Baugenehmigungen sind noch keine fertigen Wohnungen

All das – vom Bau-Turbo über den Gebäudetyp E bis hin zu besseren Förderbedingungen – könnte der erhofften Trendwende einen zusätzlichen Schub verleihen. Ein Problem bleibt aber: Es dauert, bis aus Bauprojekten und Baugenehmigungen fertige Wohnungen werden. Selbst in diesem Jahr dürfte die Zahl der tatsächlich fertig gestellten Wohnungen erst mal kaum steigen.

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