Es ist die größte Spendenaktion Polens: Tausende Freiwillige ziehen durch die Straßen und sammeln für einen guten Zweck. Großes Finale ist ein Open-Air-Konzert in Warschau – und die Bekanntgabe, wie viel Geld zusammenkam.
Mit einem großen Open-Air-Konzert in Warschau ist das 34. Finale des “Großen Orchesters der Weihnachtshilfe” (“Wielka Orchiestra Świątecznej Pomocy”) zu Ende gegangen. Und mit einem ersten Ergebnis, das bis in den späten Abend hinein mit Spannung erwartet wurde: Mehr als 183 Millionen Zloty – umgerechnet knapp 43,5 Millionen Euro – kamen zusammen.
Dafür sind Tausende von Freiwilligen seit dem frühen Morgen in ganz Polen mit Spendenboxen durch die Straßen gezogen. Wie diese junge Frau in Warschau, die bereits zum achten Mal dabei ist: “Ich habe früher immer bei mir zu Hause auf dem Land Spenden gesammelt – da sind viel weniger Freiwillige, aber auch da war die Stimmung immer fantastisch. Und jetzt freue ich mich hier, mit meiner Freundin Julka gemeinsam sammeln zu können.”
“Ich freue mich über die lächelnden Menschen”
“Ich bin zum ersten Mal dabei und ich freue mich sehr über die vielen lächelnden Menschen. Wir überreden sie zu nichts, sie sind einfach von sich aus so großzügig – das ist hervorragend”, ergänzt Julka.
Und es ist für alle sichtbar: Denn wer spendet, bekommt eine Art Abzeichen: einen Aufkleber in Form eines roten Herzens.
Für die 13-jährige Basia hat der eine ganz besondere Bedeutung. “Ich selbst war ein Frühchen und lag in einem Brutkasten mit eben diesem Aufkleber.” Denn die roten Herzen markieren auch die medizinischen Geräte, die Jahr für Jahr mithilfe der Spendengelder gekauft werden – und die in Krankenhäusern im ganzen Land zu finden sind.
Jerzy Owsiak, Mitbegründer des “Großen Orchesters”, feiert die hohe Spendenbereitschaft.
Spezialgeräte für Magen-Darm-Erkrankungen bei Kindern
In diesem Jahr sollen mit dem Erlös Spezialgeräte zur Diagnose und Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen bei Kindern angeschafft werden.
Noch steht die finale Summe nicht fest, denn auch wenn der große Spenden-Marathon vorbei ist – die Auktionen, an denen sich auch Medien, Prominente und Politiker beteiligen, laufen noch einige Wochen weiter. So versteigert beispielsweise Premierminister Donald Tusk seine Fußballschuhe und eine Einladung zu Kaffee und Keksen in seinem Büro.
Zeichen der Solidarität
Jerzy Owsiak, Mitbegründer und prominentester Vertreter des “Großen Orchesters”, sieht in all dem ein Zeichen, dass die Polinnen und Polen hinter der Aktion stehen.
Gerade in den vergangenen Jahren hatte er mit viel Gegenwind zu kämpfen. Unter anderem, weil die nationalpopulistische PiS dem 72-Jährigen vorwarf, mit dem “Großen Orchester” die katholische Caritas zu untergraben. So wurden die roten Herzen in Polen zum Politikum. In diesem Jahr aber, so Owsiak, sei von all dem kaum etwas zu spüren gewesen.
Wir haben gezeigt, dass wir solidarisch sind, dass wir auch an diesem frostigen Tag an andere denken, die Hilfe brauchen. Wir konnten ein Bild zeigen, das wir heute wohl alle gut brauchen können – sowohl in Polen als auch in der Welt. Denn wenn politische Allianzen, an die wir sehr geglaubt haben und weiter glauben wollen, vor unseren Augen zu zerfallen drohen, zeigt dieser Impuls aus Polen, einem Land in Mitteleuropa, auf welche Weise man sich solidarisieren kann.
Auch im Ausland wird gesammelt
Auch im Ausland waren einige der insgesamt 1681 Freiwilligenstäbe aktiv – unter anderem in Deutschland, Großbritannien oder den USA. Schon jetzt rechnen die Organisatoren damit, dass die Gesamtspendensumme wieder alle Rekorde brechen wird.
So wie im vergangenen Jahr, als das “Große Orchester” für die Ausstattung von Kinder-Krebsstationen mehr als 289 Millionen Zloty zusammengebracht hat – umgerechnet 68,8 Millionen Euro.
