Brandkatastrophe in Crans-Montana: Schweiz weist Vorwürfe Italiens zurück

Brandkatastrophe in Crans-Montana: Schweiz weist Vorwürfe Italiens zurück

Die Bar Le Constellation im Schweizer Crans-Montana nach dem Brand

Stand: 25.01.2026 17:17 Uhr

Noch laufen die Untersuchungen zur Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana. Doch zwischen der Schweiz und Italien gibt es Streit über das Vorgehen. Aus beiden Ländern kamen viele der 40 Todesopfer. Nun beschwichtigt die Schweiz.

Nach der scharfen Kritik der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni am Schweizer Ermittlungsverfahren zur Brandkatastrophe von Crans-Montana wählt der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin versöhnliche Worte.

Er könne die Empörung in Italien über die Freilassung des beschuldigten Barbesitzers aus der Untersuchungshaft verstehen, sagte Parmelin der Zeitung Blick. Aber in der Schweiz gebe es andere juristische und politische Verfahren als in Italien. Es sei auch nicht Aufgabe der Politik, sich in die unabhängige Justiz einzumischen.

Parmelin sagte weiter, die Justiz müsse die Untersuchung transparent machen. Parallel müssten die Familien der Opfer bestmöglich unterstützt werden. Er stehe persönlich mit Meloni in Kontakt.

Außenminister Ignazio Cassis erklärte auf X, dass man Klarheit brauche: “Wie Italien trauert auch die Schweiz um die 40 Opfer und die vielen Verletzten der Tragödie von Crans-Montana. Wir verstehen den Schmerz, denn es ist auch unser Schmerz.”

Meloni fordert Ermittlungsgruppe

Meloni hatte die Freilassung des tatverdächtigen Wirts aus der Untersuchungshaft durch die Schweizer Justiz als “Affront” bezeichnet. Sie forderte nun in der Zeitung Corriere della Sera die Einrichtung einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe.

Bei dem Brand in der Bar “Le Constellation” im Schweizer Urlaubsort Crans-Montana waren in der Silvesternacht 40 Menschen gestorben, mehr als 100 wurden verletzt. Sechs der Getöteten und zehn der Verletzten waren Italiener.

Vorwurf der “fahrlässigen Tötung”

Gegen die Wirte der Bar, ein Ehepaar, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und anderer Straftaten. Der Wirt war wegen angenommener Fluchtgefahr zunächst in Untersuchungshaft gekommen, am Freitag aber von einem Gericht gegen Kaution freigelassen worden.

Italien rief daraufhin seinen Botschafter aus der Schweiz zu Konsultationen nach Rom. Parmelin bezeichnete dies als normalen diplomatischen Vorgang. Der Botschafter werde nach den Gesprächen in die Schweiz zurückkehren.

Rätsel um verschlossene Tür

Bei den Ermittlungen stehen derzeit unter anderem die Fluchtrouten aus der Bar im Mittelpunkt. Nach einem Bericht der NZZ am Sonntag hätte eine Tür im Erdgeschoss entgegen den Aussagen des Barbetreibers Moretti als Notausgang zur Verfügung stehen müssen. Sie war in der Unglücksnacht aber verschlossen.

Moretti habe die Tür in Vernehmungen als “Servicetür” bezeichnet. Es habe dort kein Hinweisschild “Notausgang” gegeben. Mehrere Besucher hatten vergeblich versucht, aus dieser Tür zu kommen. Sie war schließlich von außen eingeschlagen worden. Mindestens eine Kellnerin, die hinter der Tür war, überlebte nicht.

Wusste Moretti von Notausgang?

Unklar ist, ob Moretti darüber informiert gewesen sei, dass die Tür als Notausgang zu kennzeichnen und freizuhalten sei, schreibt die Zeitung weiter. Die Baubewilligung hatte der Gebäudebesitzer, nicht Moretti, beantragt.

Gemeindepräsident Nicolas Féroud hatte nach dem Unglück gesagt, die Bar habe für die erlaubte Anzahl von Besuchern von je 100 im Erd- und im Kellergeschoss ordnungsgemäß zwei Notausgänge gehabt. Die West-Tür wäre ein dritter Ausgang. Wie viele Leute sich in der Silvesternacht in der Bar aufhielten, ist bislang nicht bekannt.

Mit Informationen von Patricia Verne, ARD-Studio Genf

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *