Der Rüstungskonzern CSG feiert ein erfolgreiches Börsendebüt

Der Rüstungskonzern CSG feiert ein erfolgreiches Börsendebüt

Michal Strnad, Inhaber des tschechischen Rüstungskonzern CSG beim Börsengang in Amsterdam

Stand: 23.01.2026 15:32 Uhr

Es ist der weltweit größte Börsengang eines ‍Rüstungsunternehmens: CSG, Hersteller von gepanzerten Fahrzeugen und Munition feiert in Amsterdam sein Börsendebüt. Die Konkurrenz für Rheinmetall wächst.

Constantin Röse

Michal Strnad zeigt sich eigentlich ungern in der Öffentlichkeit. Doch beim Börsengang seines Rüstungskonzerns steht der 33-Jährige in der ersten Reihe. Mit 26 Jahren übernahm er die Czechoslovak Group (CSG) von seinem Vater und hat seit Freitagmorgen sein Vermögen verdoppelt.

Zwar gab es schon länger Gerüchte über einen Börsengang, doch in den letzten Tagen ging es dann überraschend schnell. Nicht an der kleinen Börse in Prag, sondern in Amsterdam platzierte der tschechische Rüstungskonzern seine Aktien.

32 Prozent Plus zum Debüt

In den ersten Handelsminuten kletterte der Aktienkurs auf bis zu 33 Euro – ein Plus von 32 Prozent. Der Verkaufspreis im Zuge des Börsengangs lag bei 25 Euro je Aktie. Mit einem Emissionsvolumen von ‌3,8 Milliarden Euro handelt es sich um den bislang weltweit größten Börsengang eines ‍Rüstungsunternehmens.

Knapp drei Milliarden Euro fließen direkt an Eigentümer Michael Strnad. Das restliche Kapital geht ins Unternehmen. Strnad hatte erklärt, die Börsennotierung solle auch dazu dienen, Aktien als Währung für künftige Übernahmen nutzen zu können.

Vom Schrotthändler zum Munitionsriese

CSG gehört zu den am schnellsten wachsenden Rüstungskonzernen. Die Tschechen stellen vor allem Mittel- und Großkaliber-Munition her. Weltweit sind sie eigenen Angaben zufolge sogar der größte Produzent von Kleinkaliber-Munition. Produziert werden außerdem Radarsysteme sowie schwere Militärfahrzeuge.

Los ging es in der 1990er Jahren, als Firmengründer Jaroslav Strnad als Schrotthändler ausrangierte Sowjetwaffen kaufte, reparierte und Entwicklungsländer belieferte. Kritik gab es in der Vergangenheit jedoch an der Nähe zum russland- und chinafreundlichen Ex-Präsidenten Miloš Zeman und dem heimlichen Kauf von Waffenlagern im Balkan. 2018 übernahm sein Sohn Michal das Unternehmen.

Niederlassung in Walsrode

Aktuell boomt das Geschäft. 2024 erzielte CSG einen Umsatz von rund vier Milliarden Euro. Das Unternehmen expandierte nach Italien, Spanien oder die USA. In den Vereinigten Staaten kauften die Tschechen den US-Munitionshersteller Kinetic für 2,2 Milliarden Dollar. In Deutschland schlug CSG im vergangenen Jahr beim Industriepark Walsrode in Niedersachsen zu.

“Für uns ist es sehr wichtig, dass wir Produzent und Arbeitgeber in Deutschland werden”, betonte CSG-Sprecher Andrej Čírtek damals. Hergestellt wird in Niedersachsen Nitrocellulose für die Munitionsproduktion.

Michal Strnad ist zu einem der reichsten Menschen Ostmitteleuropas aufgestiegen. Er besitzt inzwischen auch den Fußballverein Viktoria Pilsen und Anteile an Prager Luxushotels. In einem seiner seltenen Interviews ließ er neulich erklären, er wolle die Czechoslovak Group zum größten Rüstungskonzern Europas machen.

Konkurrenz für Rheinmetall?

Mit einem Börsenwert von bis zu 33 Milliarden Euro kommt CSG an das deutsche Rüstungsschwergewicht Rheinmetall aber noch nicht ran. Der DAX-Konzern hat aktuell eine Bewertung von rund 83 Milliarden Euro. Hierzulande könnten Rheinmetall, Hensoldt und Renk aber schon bald weitere Konkurrenz bekommen. Der deutsch-französische Panzerhersteller KNDS plant noch in diesem Jahr einen Börsengang.

Bei Anlegerinnen und Anlegern sind Rüstungswerte weiterhin gefragt. Die Branche profitiert von einer hohen Nachfrage, weil Länder Milliarden in ihre Verteidigung investieren. Dazu kommt: Die Bemühungen um einen Frieden in der Ukraine gehen nicht so schnell vorran.

Mit Informationen von Marianne Allweiss, ARD-Studio Prag.

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