marktbericht
Vorerst keine US-Strafzölle gegen acht europäische Länder: Die Kehrtwende von Donald Trump im Streit um Grönland hat den DAX zurück in die Gewinnzone gebracht. Doch Experten mahnen zur Vorsicht.
Die überraschende Wende im Konflikt um die Grönland-Übernahme durch die USA hat dem deutschen Aktienmarkt nach drei schwachen Tagen wieder Kursgewinne beschert. US-Präsident Donald Trump verzichtet auf die angekündigten neuen Zölle gegen acht europäische Länder – darunter Deutschland. Das sorgt für Erleichterung an den Börsen.
Der DAX beendete den Handel 1,2 Prozent höher bei 24.856 Punkten. Am Mittwoch hatte der deutsche Leitindex noch mit einem Minus von 0,6 Prozent auf 24.560 Punkten geschlossen – fast 1.000 Punkte tiefer als das Rekordhoch aus der Vorwoche.
“Die Trump-Volatilität ist zurück auf dem Frankfurter Parkett”, stellt Jochen Stanzl fest, Marktbeobachter bei der Consorsbank, daher fest. “Die extreme Rhetorik des US‑Präsidenten fügt sich in ein bekanntes Muster ein: Auf maximal formulierte Positionen folgen später moderatere Signale, wodurch anfängliche Verluste schnell wieder aufgeholt werden.”
Ob die Wende im Zollstreit den DAX wieder dauerhaft in die Gewinnspur bringen wird, ist also fraglich. Denn bislang ist nicht geklärt, wie eine künftige Einigung über Grönland im Detail aussehen wird. Analyst Alexander Krämer sprach zwar von einer überraschend positiven Wendung auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, die einen transatlantischen Handelskrieg zunächst abgewendet habe. Dennoch blieben die Spannungen bestehen, mahnte er.
Frank Sohlleder, Analyst beim Broker ActivTrades, rät den Anlegerinnen und Anlegern, wachsam zu bleiben: “Die Verhandlungstaktiken der US-Regierung sind extrem dynamisch. Was heute als ‘fantastischer Deal’ gefeiert wird, kann morgen durch einen einzigen Social-Media-Post wieder infrage gestellt werden.”
Neben den Entwicklungen rund um Grönland scheint indes auch frische Bewegung in die Friedensverhandlungen um die Ukraine zu kommen. Vertreter der USA, der Ukraine und Russlands wollen erneut über Wege zu einem Kriegsende verhandeln.
Eine weitere positive Nachricht seien die Zweifel des Obersten US-Gerichts an der rechtmäßigen Entlassung der Fed-Direktorin Lisa Cook und die Betonung der Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), begründete Christine Romar, Europa-Chefin von CMC Markets, die wieder positive Stimmung für Aktien.
Größter DAX-Gewinner war heute die VW-Aktie, die um 6,5 Prozent nach oben kletterte. Nachdem die Autowerte zu Wochenbeginn eingebrochen waren, erholt sich die Branche nun. Neuerliche Zölle der USA hätten die exportorientierte und ohnehin schon schwächelnde Industrie hart getroffen. Zusätzlich gestützt wurde das Papier durch einen überraschend hohen Barmittelzufluss im Autogeschäft 2025.
Dieser lag bei sechs Milliarden Euro und damit um eine Milliarde Euro höher als noch 2024, wie der Wolfsburger Konzern am Mittwoch nach Börsenschluss mitteilte. Bei Volkswagen bleibt also trotz der Absatzschwäche in China, eines teuren Strategieschwenks bei Porsche und der Zölle überraschend viel Geld übrig.
Zu den Verlierern gehörten dagegen im Zuge der leichten geopolitischen Entspannung die Rüstungswerte. So gab die Rheinmetall-Aktie im DAX nach – und Hensoldt und Renk gehörten zu den schwächeren Titeln im MDAX.
Zudem fiel das Papier von SAP. Die Aktien der Walldorfer leiden wie andere Softwareaktien schon länger unter der rasanten KI-Entwicklung und entsprechender Unsicherheit für das Wachstumsprofil.
Auch die US-Börsen haben derweil dank des etwas entschärften geopolitischen Konflikts um Grönland und gemilderter Handelsspannungen zwischen den USA und Europa an ihre Vortageserholung angeknüpft. Der Leitindex Dow Jones gewann knapp 0,9 Prozent auf 49.519 Punkte. Mit in der Spitze rund 49.580 Punkten war das vor zehn Tagen erreichte Rekordhoch von 49.633 Punkten nicht weit weg.
Der von Tech-Werten dominierte Nasdaq 100 legte um 0,9 Prozent auf 25.4560 Zähler zu. Für den marktbreiten S&P 500 ging es ebenfalls um 0,84 Prozent auf 6.931 Punkte hoch.
