Autowerte profitieren von Trump-Kehrtwende | tagesschau.de

Autowerte profitieren von Trump-Kehrtwende | tagesschau.de

Markenhochhaus des Volkswagenwerks Wolfsburg.


marktbericht

Stand: 22.01.2026 14:10 Uhr

Die Abwendung von US-Strafzöllen hat für Erleichterung an den Märkten gesorgt. Sie hätten vor allem die exportorientierte Autobranche stark getroffen. Für sie gibt es nun gleich zwei Lichtblicke.

Leichte Entspannung: So kann man auch die Reaktion der Anlegerinnen und Anleger an den Finanzmärkten auf die Kehrtwende Trumps im Grönland-Konflikt beschreiben. Die Erleichterung lässt sich besonders an den Autoaktien ablesen. Erst seit vergangenem August gilt ein pauschaler Einfuhrzoll von 15 Prozent auf Autos aus der EU. Zuvor hatte die Trump-Administration zeitweise 27,5 Prozent verlangt.

Neuerliche Zölle in solcher Höhe hätten die exportorientierte und ohnehin schon schwächelnde Industrie hart getroffen. Nachdem diese Angst den Auto-Branchenindex zu Wochenbeginn auf ein Tief seit Mitte Oktober gedrückt hatte, führt er heute die Erholung an den Börsen an – mit einem aktuellen Plus von etwa zwei Prozent. In der Spitze gewann er bis zu 3,4 Prozent.

Volkswagen hat überraschend viel in den Kassen

Bei den Einzelwerten legten die Papiere von BMW, Mercedes und Porsche bis zum Mittag zu. Die Aktien von Volkswagen waren mit einem Plus von 5,5 Prozent sogar Spitzenreiter im DAX – zusätzlich gestützt wurden die Papiere auch durch einen überraschend hohen Barmittelzufluss im Autogeschäft 2025.

Dieser lag bei sechs Milliarden Euro und damit um eine Milliarde Euro höher als noch 2024, wie der Wolfsburger Konzern am Mittwoch nach Börsenschluss mitteilte. Bei Volkswagen bleibt also trotz der Absatzschwäche in China, eines teuren Strategieschwenks bei Porsche und der Zölle überraschend viel Geld übrig.

Das VW-Management habe zwar schon im Vorfeld signalisiert, dass der Barmittelzufluss höher ausgefallen sei, aber das Ausmaß sei dann doch überraschend, sagte Philippe Houchois, Analyst bei der Investmentbank Jefferies. Es sei zudem festzustellen, dass die Abhängigkeit vom China-Geschäft zurückgehe.

Autobauer “haben große Probleme, aber keine Krise”

Die guten Nachrichten sind ein Lichtblick für die kriselnde deutsche Autoindustrie. Zuletzt waren die Gewinne eingebrochen, die Hersteller steuern mit Sparprogrammen dagegen. Elektromobilität und Softwareentwicklung werden immer wichtiger – und die Konkurrenz ist besser geworden. Wie schlimm ist die Lage der deutschen Autobauer?

“Die Hersteller haben große Probleme, aber keine Krise”, sagt der Autoexperte und Lehrbeauftragte an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Köln, Frank Schwope, gegenüber der dpa. Schließlich würden die Hersteller noch immer deutliche schwarze Zahlen schreiben und Dividenden ausschütten. “Solange sie Dividenden ausschütten können, sind die Konzerne nicht in der Krise”, sagt Schwope. Dennoch müssten die Autobauer wieder profitabler werden.

Die Zulieferer seien hingegen wirklich in der Krise, sagt Schwope. Sie bauen Stellen ab, schließen ganze Standorte, stellen komplette Sparten zum Verkauf. Die Transformation zum E-Auto trifft viele Zulieferer wie Continental besonders hart, weil ihre Teile nicht mehr gebraucht werden. Verschärft wird das durch den Kostendruck, den die großen Autobauer an ihre Lieferanten weitergeben.

DAX erholt sich etwas, Metallpreise sinken

Auch am gesamten deutschen Aktienmarkt sorgt Trumps Verzicht auf die angekündigten Zölle gegen europäische Länder – darunter Deutschland – derweil für eine Erholung. Marktbeobachter sprechen mal wieder vom sogenannten “Taco-Trade”: Dass Trump erst mit harter Kante in Verhandlungen geht, nur um später seine Position aufzuweichen.

Während der DAX nach drei schwachen Tagen am Mittag um rund 1,2 Prozent auf 24.860 Punkte steigt, gibt es einen Preisrückgang beim Gold. Das Edelmetall, das noch am Mittwoch ein Rekordhoch erreicht hatte, war heute Morgen um bis zu 1,2 Prozent billiger. Und auch der Kupferpreis sank zeitweise auf den tiefsten Stand seit zwei Wochen.

Der Hintergrund: Viele Investoren nutzen Rohstoffe gerne als Sicherheit in einer Krise – die jetzt etwas entschärft scheint. Doch Experten sehen Trumps unvorhersehbare Politik weiter als Risiko. Es dürfte “die Sorge weiter im Raum stehen, inwieweit US-Präsident Trump seine Politik ‘America First’ weiter umsetzen wird”, sagte etwa IG-Analyst Christian Henke.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *