Für Afrika war in der deutschen Außenpolitik bislang wenig Zeit, nun reist Außenminister Wadephul nach Kenia und Äthiopien. Es ist der erste Besuch seiner Amtszeit in Ländern südlich der Sahara.
Der Außenminister ist erst wenige Tage im Amt, da hält er eine Grundsatzrede im Bundestag. Johann Wadephul spricht im Mai 2025 darüber, was ihn umtreibt: Es geht um Russland, die Ukraine, den Nahen Osten, den Iran.
Afrika erwähnt er höchstens zwischen den Zeilen. Er spricht von belastbaren “Partnerschaften mit Schlüsselländern und Regionen auf allen Kontinenten” und fordert: “Wir müssen respektvoll und nicht belehrend mit ihnen ins Gespräch kommen.”
Was denkt Wadephul über Afrika? Aussagen dazu muss man lange suchen. Im November, der Außenminister aus Nigeria ist zu Besuch in Berlin, sagt Wadephul: “Europa und Afrika trennen gerade einmal 14 Kilometer.” In einer Welt, die immer stärker zusammenwachse, “brauchen wir einander”.
Afrika als “Schlüsselpartner”
Die Welt verändert sich rapide, sagt der Außenminister nun vor seiner Abreise und spricht von Afrika als Schlüsselpartner. Deutschland habe ein hervorragendes Angebot zu machen. Kenia sei für Deutschland einer der engsten Partner. Äthiopien trage entscheidende Verantwortung für Frieden und Stabilität am Horn von Afrika. “In Zeiten von Handelsbeschränkungen und Abschottungstendenzen sind wir als Exportnation darauf angewiesen, uns noch breiter aufzustellen”, so Wadephul.
Zum ersten Mal reist der deutsche Außenminister ins Afrika südlich der Sahara. Bislang war Wadephul nur zweimal in Ägypten.
Es sei gut, dass die Reise jetzt kommt, sagt Gerrit Kurtz von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Denn es werde immer wichtiger, mit Afrika zu kooperieren. Dabei sei es immer “wichtig, wenn es um den Umgang mit Afrika geht, dass wir nicht einfach nur den Kontinent sehen, sondern dass wir die Vielstimmigkeit und Unterschiedlichkeit sehen”.
Konkurrenz zu Russland und China
In ihrer Afrika-Strategie, die sie von der Ampel übernommen hat, benennt die Bundesregierung einerseits Krisen, Kriege, Hunger und Klimawandel, andererseits das wirtschaftliche Potential der afrikanischen Märkte und des Bevölkerungswachstums. Im aktuellen Koalitionsvertrag kommt Afrika immerhin achtmal vor. Vereinbart wird dort eine Politik, die dem Kontinent gerecht werden, Freihandel ermöglichen, Terrorismus und Fluchtursachen bekämpfen soll. Und die verhindern soll, dass Russland und China zu viel Einfluss bekommen.
Deutschland brauche Afrika, sagt auch die Grünen-Politikerin Awet Tesfaiesus, die den Außenminister begleitet: “Wir sind nicht nur die helfende Hand, die in Form von Entwicklungszusammenarbeit auf dem Kontinent auftritt, sondern wir haben handfeste Interessen.”
Das heißt für sie, das Feld nicht Russland, China oder Indien zu überlassen. Tesfaiesus erinnert daran, dass bei dem Angriff Russlands auf die Ukraine “viele afrikanische Staaten sich auf die Seite von Russland gestellt haben. Das hat mit langfristigen Bindungen zu tun, die wir gerade versäumen”. Sie ärgert sich darüber, dass Menschen wie sie, die selbst auf dem afrikanischen Kontinent geboren wurden, zu wenig gehört würden.
Kurtz von der Stiftung Wissenschaft und Politik wünscht sich insgesamt mehr Weitblick. “Ich glaube, es ist wichtig, dass wir Afrika nicht nur durch die Brille des geopolitischen Wettbewerbs sehen, nicht nur fragen, wenn wir nicht da sind, wer füllt dann die Lücke.”
“Möglichst intensiv zusammenarbeiten”
Auf seiner Afrika-Reise vergangenes Jahr sagte Bundeskanzler Friedrich Merz, Afrika sei auch ein “Kontinent der Chancen”. Der Afrikaverein der deutschen Wirtschaft stimmt zu. Hauptgeschäftsführer Christoph Kannengießer sagt, deutsche Unternehmen hätten den afrikanischen Markt vernachlässigt.
Die veränderte Weltlage sei ein Weckruf. “Früher war das so, dass man da mit ein bisschen Entwicklungshilfe und guten Ratschlägen hingereist ist.” Inzwischen gehe stärker darum, verständlich zu machen, “dass wir ein wirklich veritables Interesse an einer partnerschaftlichen Kooperation haben”.
Wenn es nach ihm ginge, dann sollten deutsche Politiker deutlich öfter nach Afrika reisen, gerade in diesen stürmischen Zeiten für die Weltwirtschaft. “Wir sind unmittelbare Nachbarn, wir leben in der gleichen Zeitzone.” Alles spreche dafür, dass wir möglichst intensiv zusammenarbeiten und “alle Möglichkeiten nutzen, die der Freihandel uns bietet.” In Afrika wird das auf Interesse stoßen.
Gerrit Kurtz von der Stiftung Wissenschaft und Politik wünscht sich, dass die afrikanischen Länder ernst genommen werden. Er ist überzeugt, dass Afrikas Staaten mit unterschiedlichen Partnern zusammenarbeiten wollen.
Außenminister Wadephul nimmt sich zwei Tage Zeit. Ob und wann er das nächste Mal nach Afrika reisen wird, kann in diesen Zeiten keiner abschätzen.

