Weltwirtschaftsforum in Davos: Fast alles dreht sich um Trump

Weltwirtschaftsforum in Davos: Fast alles dreht sich um Trump

Vorbereitungen für das WEF in Davos

Stand: 19.01.2026 13:29 Uhr

In Davos treffen sich jedes Jahr führende Wirtschafts- und Politikvertreter. Das diesjährige Motto: “Geist des Dialogs”. Das passt nur bedingt zu Präsident Trump. Dennoch dominiert er die Agenda.

Kathrin Hondl

Im Davoser Kongresszentrum surren die Staubsauger, die letzten Vorbereitungen für das 56. Treffen des Weltwirtschaftsforums, das sie hier alle immer nur kurz und knapp “das WEF” nennen, laufen. Und wie immer prangt an der Wand der alte Leitsatz von Davos: “Den Zustand der Welt verbessern.” Man wolle es jedenfalls auch dieses Jahr versuchen, sagt Stephan Mergenthaler, Mitglied des WEF-Managements:

Global betrachtet befinden wir uns in einer Lage des Umbruchs – Umbrüche in der Politik, in der Diplomatie, in der Wirtschaft, auch in der Technologie. In diesen Zeiten im Dialog zu bleiben, das ist kein Luxus, das ist eine absolute Notwendigkeit.

Dialog ist das Motto – klappt das mit Trump?

Deswegen liege der Fokus des diesjährigen Treffens auf dem “Geist des Dialogs”, so Mergenthaler. Es ist allerdings mehr als fraglich, ob sich auch US-Präsident Donald Trump vom offiziellen WEF-Motto inspirieren lässt. Als einer von 65 Staats- und Regierungschefs wird er Davos für einen großen Auftritt nutzen.

Trumps Rede am Mittwochnachmittag gilt schon jetzt als Höhepunkt des Treffens, jedenfalls was die allgemeine Aufmerksamkeit angeht. Obwohl hinreichend bekannt ist, dass Trump kein Interesse hat an viel beschworenen WEF-Idealen wie globaler Zusammenarbeit und der gemeinsamen Suche nach Problemlösungen.

Trumps Handelskriege, seine Besitzansprüche auf Grönland, die neuen Zoll-Drohungen gegen europäische Länder, der Angriff auf Venezuela, die systematische Zerstörung der Vereinten Nationen – all das werde in Davos aber dennoch zur Sprache kommen, meint David Bach, Professor für Politische Ökonomie und Direktor der Wirtschaftshochschule IMD in Lausanne.

“Ich bin mir sicher, dass in der Mehrheit der offiziellen Sessions beim World Economic Forum sehr starke Kritik an der Politik Trumps, an der Wirtschaftspolitik, an der Außenpolitik, an der Klimapolitik da sein wird. Aber davon wird er wahrscheinlich nichts mitbekommen”, sagt Bach. “In dem Meeting, das er mit CEOs hat, da wird mit Sicherheit geschmeichelt.”

Protest gegen Trump

“No WEF – Stop Trump” hieß es dagegen bei der Protestdemo der linken Jungpartei Juso Schweiz am Sonntag in Davos. Es sei absurd, dass die rechtsbürgerlichen Kräfte in diesem Land Trump den roten Teppich ausrollten, “einem Mann, der gerade einen völkerrechtswidrigen Angriff gestartet hat, dessen Regierung in den USA Menschen auf offener Straße jagt, interniert und sogar tötet, und der jetzt europäischen Staaten mit Strafzöllen droht wegen Grönland”. Mit so einem Menschen dürfe man nicht mehr sprechen, sondern klare Kante zeigen, fordert die Schweizer Juso-Chefin Mirjam Hostetmann.

Und selbst die konservative Neue Zürcher Zeitung fragte: “Wie sehr mag sich das WEF von Donald Trump und seiner Politik kapern lassen?” Die WEF-Organisatoren behaupten dagegen, dem Weltverbesserungsgedanken treu zu bleiben.

“Donald Trump ist genauso wie die 65 anderen Staats- und Regierungschefs Teil der Welt, in der wir leben”, sagt WEF-Manager Mergenthaler. “Und das ist seit unserer Gründung 1971 die Rolle des Weltwirtschaftsforums gewesen, diese neutrale Plattform zu schaffen, und das ist der Kernfokus von Davos auch dieses Jahr.”

Trump bestimmt die Agenda

Klar ist: Geopolitische Themen bestimmen dieses Jahr die Debatten in Davos. Fast gänzlich verschwunden sind auf dem Davos-Programm jene Diskussionsrunden, in denen sich die Weltwirtschafts- und Politikelite früher prominent mit Themen wie Klimaschutz, Entwicklungshilfe, Frauenförderung oder Diversität beschäftigte. “Natürlich reflektiert dieses Treffen die Prioritäten der Akteure, die wir zusammenbringen”, gibt Mergenthaler zu.

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