Trotz Exportbooms: Chinas Wirtschaft wächst langsamer

Trotz Exportbooms: Chinas Wirtschaft wächst langsamer

Arbeiterinnen an der Prüfstraße für Autokomponenten, Zhuji, Zhejiang, China.

Stand: 19.01.2026 08:58 Uhr

Chinas Wirtschaft ist im vierten Quartal so langsam gewachsen wie seit drei Jahren nicht mehr. Ökonomen führen das auf die schwache Binnennachfrage zurück – Exporte bleiben der wichtigste Stützpfeiler.

Chinas Wirtschaft ist zum Jahresende deutlich langsamer gewachsen. Wie das Statistikamt in Peking mitteilte, legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,5 Prozent zu.

Damit verzeichnete die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt das schwächste Quartalswachstum seit dem Ende der strengen Corona-Lockdowns vor rund drei Jahren. In den drei vorangegangenen Quartalen hatte das Wachstum noch höher gelegen: 5,4 Prozent, 5,2 Prozent und 4,8 Prozent.

Chinas Wirtschaft mit Punktlandung

Für das Gesamtjahr meldeten die Statistiker dennoch ein Plus von 5,0 Prozent. Das von der chinesischen Regierung ausgegebene Ziel von “rund fünf Prozent” wurde damit exakt erreicht. Zugleich handelt es sich um eine der niedrigsten Jahreswachstumsraten seit Jahrzehnten.

Ökonomen sehen die Ursache vor allem in einer schwachen Binnennachfrage: Ein angespannter Arbeitsmarkt und fallende Immobilienpreise dämpfen die Kauflaune der Verbraucherinnen und Verbraucher. Nach Angaben des Nationalen Statistikamtes stiegen die Einzelhandelsumsätze im Dezember im Jahresvergleich lediglich um 0,9 Prozent – das langsamste Wachstum seit der Aufhebung der Corona-Beschränkungen.

Korrektur nach Immobilienboom

Auch bei den Investitionen zeigt sich die Abkühlung. Die Investitionen in Sachanlagen gingen 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 3,8 Prozent zurück. Besonders deutlich fiel der Rückgang im Immobiliensektor aus: Die Immobilieninvestitionen sanken um 17,2 Prozent.

Die Industrieproduktion legte im Dezember zwar um 5,2 Prozent zu, blieb damit aber unter dem Zuwachs des Vorjahres von 5,8 Prozent.

Anhaltender Exportboom trotz Handelsstreits

Gestützt wurde die Konjunktur weiterhin vom Außenhandel. Trotz anhaltender Spannungen mit den USA und neuer handelspolitischer Unsicherheiten hatte Peking in der vergangenen Woche für 2025 einen Rekord-Handelsüberschuss von 1,2 Billionen Dollar bekanntgegeben.

Der Handelsstreit mit Washington führte zwar zu einem deutlichen Einbruch der Exporte in die USA um 20 Prozent sowie zu einem Rückgang der Importe aus den Vereinigten Staaten um 14,6 Prozent. Andere Absatzmärkte konnten diese Verluste jedoch mehr als ausgleichen.

Zurückhaltende Wachstumsprognosen

Für die kommenden Jahre rechnen internationale Organisationen mit einer weiteren Abschwächung. Die Weltbank erwartet für 2026 ein Wachstum von rund 4,4 Prozent, der Internationale Währungsfonds geht von etwa 4,5 Prozent aus. Die US-Investmentbank Goldman Sachs zeigt sich mit einer Prognose von 4,8 Prozent etwas optimistischer, verweist jedoch ebenfalls darauf, dass robuste Exporte die wichtigste Stütze bleiben dürften.

Zugleich warnt Goldman vor anhaltenden strukturellen Problemen. Der Aufbau einer konsum- und dienstleistungsgetriebenen Wirtschaft werde “Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern”, schrieb die China-Chefökonomin Hui Shan in einer aktuellen Analyse. Zudem habe der Immobiliensektor noch keinen Tiefpunkt erreicht, und ein schwacher Arbeitsmarkt dämpfe weiter die Kauflaune der Haushalte.

Demografie-Krise als Belastungsfaktor

Zusätzlichen Druck erzeugt die demografische Entwicklung. Nach amtlichen Angaben sank die Bevölkerung Chinas 2025 um 3,39 Millionen auf 1,405 Milliarden Menschen. Damit schrumpfte die Einwohnerzahl bereits das vierte Jahr in Folge, wobei sich der Rückgang beschleunigte. Die Zahl der Geburten fiel auf einen Tiefstand von 7,92 Millionen, während die Zahl der Todesfälle auf 11,31 Millionen stieg.

Diese Entwicklung erschwert Pekings Pläne, den Binnenkonsum anzukurbeln. Der drohende Wegfall von Hunderten Millionen Arbeitskräften setzt zudem die bereits angespannten Rentenkassen weiter unter Druck.

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