Regierungsvertreter spricht von 5.000 Toten bei Protesten im Iran

Regierungsvertreter spricht von 5.000 Toten bei Protesten im Iran

Das Bild soll Proteste in Teheran zeigen (Archivbild vom 9.1.2026)

Stand: 18.01.2026 18:20 Uhr

Erstmals nennt ein Regierungsvertreter des Iran nach den landesweiten Protesten eine konkrete Zahl an Todesopfern. Auch der Oberste Führer Chamenei äußerte sich ähnlich. Andere Schätzungen fallen aber deutlich höher aus.

Bei den Protesten im Iran sind nach Angaben eines Regierungsvertreters mindestens 5.000 Menschen getötet worden. Darunter seien etwa 500 Angehörige der Sicherheitskräfte, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Er machte “Terroristen und bewaffnete Randalierer” für die Tötung “unschuldiger Iraner” verantwortlich. Der Vertreter wollte anonym bleiben.

Irans oberster Führer, Ali Chamenei, hatte am Samstag erstmals eingeräumt, dass es Tausende Tote während der Proteste gegeben habe. Er beschuldigt die USA und Israel, die Unruhen organisiert zu haben. “Diejenigen mit Verbindungen zu Israel und den USA haben massive Schäden verursacht und mehrere Tausend Menschen getötet”, sagte Chamenei. Die iranische Führung macht regelmäßig ausländische Gegner für Unruhen verantwortlich.

Besonders heftig sollen die Zusammenstöße in den kurdischen Gebieten im Nordwesten des Iran gewesen sein. “Israel und bewaffnete Gruppen im Ausland” hätten die Demonstranten unterstützt und ausgerüstet, erklärte der Regierungsvertreter weiter. Die endgültige Zahl der Todesopfer werde voraussichtlich nicht mehr stark ansteigen.

Deutlich höhere Schätzungen aus Großbritannien

Deutlich höhere Zahlen nennt die britische Zeitung The Sunday Times. Demnach sollen zwischen 16.500 und 18.000 Menschen getötet worden sein. Die Zahlen stützen sich auf Auswertungen von Mitarbeitern in acht großen Augenkliniken und 16 Notaufnahmen im Iran. Zudem seien bis zu 360.000 Menschen verletzt worden, mindestens 700 bis 1.000 Menschen hätten ein Auge verloren.

Alle Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.

Justiz: Keine Todesurteile verhängt

Die iranische Justiz betonte, es habe bislang keine Todesurteile im Zusammenhang mit den Protesten gegeben. Ein Sprecher erklärte, entsprechende Verfahren seien “streng und langwierig” und könnten Monate oder Jahre dauern. Man bemühe sich, zwischen getäuschten Demonstrierenden und den eigentlichen Anstiftern zu unterscheiden. Erst bei ausreichenden Beweisen würden harte Strafen verhängt.

US-Präsident Donald Trump hatte den Iran wiederholt vor einem harten Vorgehen gegen Demonstrierende gewarnt. Am Freitag erklärte er, ein US-Militärschlag sei unter anderem deshalb ausgeblieben, weil der Iran die Hinrichtungen von 800 Demonstrierenden abgesagt habe. Für diese Zahl nannte er keine Quelle. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht.

Trump sprach sich zudem für einen Regierungswechsel im Iran aus. Dem Nachrichtenportal Politico sagte er: “Es ist an der Zeit, einen neuen Anführer im Iran zu suchen.” Mit Blick auf den 86-jährigen Chamenei sagte er: “Dieser Mann ist ein kranker Mann, der sein Land richtig führen und aufhören sollte, Menschen zu töten.”

Der iranische Präsident Massud Peseschkian warnte daraufhin, dass jeder Angriff auf Chamenei, einer Kriegserklärung gleichkäme. “Ein Angriff auf den großen Führer unseres Landes ist gleichbedeutend mit einem umfassenden Krieg gegen die iranische Nation”, schrieb Peseschkian im Onlinedienst X.

Dramatische Wirtschaftskrise

Die Proteste hatten Ende Dezember wegen einer dramatischen Wirtschaftskrise und sehr hoher Inflation begonnen. Rasch entwickelten sich die Demonstrationen zu politischen Protesten gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik. Irans Sicherheitsapparat schlug die Proteste gewaltsam nieder.

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