Nur sieben Unternehmen gingen im vergangenen Jahr in Deutschland an die Börse. In diesem Jahr sollen es mehr werden. Erste Kandidaten haben schon ihren Hut in den Ring geworfen.
Eigentlich war 2025 ein gutes Jahr für Börsengänge. Weltweit wagten 1.260 Unternehmen ihr Aktiendebüt. Allerdings fanden nur sieben von ihnen den Weg auf das Frankfurter Börsenparkett. Das könnte sich – wenn auch nicht drastisch – im laufenden Jahr ändern.
Die Voraussetzungen dafür seien günstig, sagt Martin Steinbach von der Beratungsgesellschaft EY. Die Aktienkurse steigen, die Zinsen sind niedrig. “Zudem haben wir auch einen gewissen Nachholeffekt, eine aufgestaute Pipeline an Börsenkandidaten.” Viele Unternehmen seien länger privat geblieben, so Steinbach. “Sie könnten sich entscheiden, dass dieses Jahr der richtige Zeitpunkt ist, um an die Börse zu gehen.”
Skepsis gegenüber Börsengängen
Im vergangenen Jahr hatten Unternehmen ihren Börsengang auf Eis gelegt, einige von ihnen in buchstäblich letzter Minute. Darunter der Arzneimittelhersteller Stada, das Medizintechnologieunternehmen Brainlab und der Autoersatzteilhändler Autodoc. Für die Skepsis gegenüber Börsengängen gibt es verschiedene Gründe. Einige scheuen die Öffentlichkeit, die Pflicht, ihre Bilanzen offen zu legen, die mit der Börsennotierung einhergeht.
Auch das Verhalten der Investoren spielt eine entscheidende Rolle, sagt Oliver Roth, der im Bankhaus Oddo BHF für den Wertpapierhandel verantwortlich ist. Grundsätzlich sei es so, dass in Europa und explizit auch in Deutschland, Risikokapitalgeber nicht wirklich in neue Unternehmen investieren würden.
Das sei gerade dann der Fall, wenn diese sich in der zweiten und dritten Reihe der börsengelisteten Unternehmen befinden – dort, wo die Handelssummen an der Börse relativ gering sind. “Das heißt, wenn man eine Investition in so ein mittleres Unternehmen macht, dann kommt man schwierig nur wieder raus.”
Erste Börsengänge kündigen sich an
Dabei haben Börsengänge auch sehr viel von einem Pokerspiel. Niemand möchte sich gern in die Karten schauen lassen. Es wird gewartet, dass sich irgendwer bewegt. “Viele schauen nach dem Eisbrecher und wollen dann in einem positiven Fahrwasser folgen”, sagt Martin Steinbach.
Zwei Unternehmen haben für dieses Jahr bereits ihren Hut in den Ring geworfen. So strebt der österreichische Energietechnik-Zulieferer Asta Energy Solutions bis Ende März an die Börse. Die Krypto-Handelsplattform Bitpanda will Berichten zufolge im ersten Halbjahr folgen. Auch der Aufzugshersteller TK Elevator, die ehemalige Aufzugsparte von Thyssenkurpp, könnte den Börsengang nach Medienberichten noch in diesem Jahr realisieren. Der IPO dürfte laut Bloomberg zu den größten Börsengängen in Europa seit Jahren zählen.
Auch an der Börse im Trend: Künstliche Intelligenz
Erste Eisbrecher sind also da. Sie setzen auch gleich den Trend, welche Branchen denn gefragt sein dürften. “Die Top-Themen in diesem Jahr sind natürlich Künstliche Intelligenz”, sagt Steinbach. Das treffe nicht nur die reinen Hersteller von Künstlicher Intelligenz, sondern alle Industrien, die Künstliche Intelligenz in ihre Geschäftsmodelle einbauen. Dazu gehören auch neue Technologien, so Steinbach, “wenn man dann mal auch an die Erschließung des Weltraums denkt.”
Diese Geschäftsmodelle seien zum großen Teil sehr disruptiv und böten hohe Steigerungen des Unternehmenswertes, so der Experte. Das wecke das Interesse der Investoren – gerade bei einer Gruppe. “Tech-Investoren sind sehr interessiert an neuen Geschäftsmodellen an der Börse, in die sie investieren können.”
Die ganz großen Konzerne dürften allerdings erneut New York als Börsenplatz bevorzugen. So will US-Milliardär Elon Musk sein Weltraumunternehmen Space X durchstarten lassen. Auch ein anderer Branchenstar plant dort ein fulminantes Börsendebüt: der ChatGPT-Erfinder Open AI.

