Seit Wochen sorgen außergewöhnlich starke Regenfälle im südlichen Afrika für schwere Überschwemmungen. Die Zahl der Todesopfer steigt, viele Menschen werden noch vermisst.
Es regnet immer weiter. Und die Zerstörungen durch die gewaltigen Wassermassen sind enorm. In weiten Teilen des südlichen Afrikas sind Flüsse über die Ufer getreten, haben Straßen zerstört, Brücken weggespült und Ortschaften überflutet. Besonders dramatisch ist die Lage in Mosambik. Die Behörden haben mehr als hundert Todesopfer gemeldet, viele Menschen gelten als vermisst.
In der Region rund um die Hauptstadt Maputo wurden Zwangsevakuierungen angeordnet. Lazaro Mbambamba von der Verwaltung der Gemeinde Boane sagte der Nachrichtenagentur AFP, die größte Herausforderung sei, den Menschen klarzumachen, dass sie ihre Häuser verlassen müssten. “Wir arbeiten hier mit der Armee zusammen. Für Personen, die sich in der Gefahrenzone aufhalten, gilt Nulltoleranz. Sie verlassen das Gebiet entweder freiwillig, oder wir als Regierung werden sie gemeinsam mit den Streitkräften mit Zwang aus den Häusern holen”. Die Warnstufe stehe auf Rot.
Tausende müssen ihre Heimat verlassen
Nach Einschätzung des Welternährungsprogramms sind allein in Mosambik mehr als 200.000 Menschen von den Unwettern betroffen. Auch im benachbarten Simbabwe und dem nordöstlichen Südafrika wurden ganze Landstriche überschwemmt. Häuser sind nicht mehr bewohnbar, Ernten zerstört. In vielen Orten ist sauberes Trinkwasser knapp.
Peter Malungwane aus der südafrikanischen Provinz Limpopo sagte der Agentur Reuters, es gebe kein Wasser, keinen Strom, und selbst das Handynetz sei ausgefallen. “Wenn man zum kleinen Laden hier an der Tankstelle geht, gibt es kein Brot. Die Menschen stehen Schlange, um Brot zu bekommen, weil wir nicht kochen können. Es gibt kein Wasser, keinen Strom – was sollen wir also essen?”
Krüger-Nationalpark gesperrt
Große Teile des weltberühmten Krüger-Nationalparks stehen ebenfalls unter Wasser. Mehr als 600 Urlauberinnen und Urlauber sowie Beschäftigte wurden in Sicherheit gebracht. Viele davon mit Hubschraubern, weil Straßen und Brücken überflutet sind. Der Park ist bis auf weiteres für Tagesbesucherinnen und Tagesbesucher geschlossen.
Der Sprecher der Parkverwaltung, Rey Thakuli, erklärte, die Evakuierungen hätten bereits begonnen, noch bevor der starke Regen eingesetzt hatte. “Ein Teil der Mitarbeitenden wurde in andere Camps verlegt. Auch Touristen haben wir die Möglichkeit gegeben, den Park zu verlassen oder ihre Buchungen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Viele haben dieses Angebot genutzt. Die Sicherheit hat für uns oberste Priorität.”
Die zahlreichen Wildtiere im Park sind nach Ansicht der Experten nicht in Gefahr. Deren Instinkt helfe ihnen dabei, sich schnell an die neuen Verhältnisse anzupassen. Viele hätten sich schon früh in höher gelegenes Gelände zurückgezogen. Womöglich aber würden Krokodile und Nilpferde von den reißenden Wassermassen in von Menschen bewohnte Gebiete gespült.
Langfristig kann sich die Natur von den Regenfällen sogar erholen, sagt Thakuli: “Tatsächlich wird sich das Ökosystem nach diesen Regenfällen zunächst deutlich verändern. Es wird sehr grün werden, die Vegetation erholt sich schnell, und die Tiere profitieren davon.” Er sei nicht allzu besorgt, weil Wildtiere auf solche Ereignisse sehr gut reagieren könnten.
Klimaforscher warnen vor Extremwetter
Klimaforscherinenn und Klimaforscher sehen die aktuellen Unwetter als Warnsignal. Extremereignisse wie Starkregen und Überschwemmungen würden durch den Klimawandel wahrscheinlicher und intensiver, sagte der WWF-Klimaexperte James Reeller dem Nachrichtenkanal eNCA: “Vieles deutet darauf hin, dass wir hier erste Anzeichen dessen sehen, was uns künftig erwarten wird. Es wird nur noch schlimmer werden, und unsere Gedanken sind bei all jenen, die von diesen Ereignissen betroffen sind.”
Die Höhe der Sachschäden durch die Unwetterkatastrophe lässt sich noch nicht absehen. Allein in der Provinz Limpopo rechnet die Regionalregierung jedoch mit Reparaturkosten von umgerechnet mehreren Hundert Millionen Euro. Für die nächsten Tage sagen die Meteorologen weitere sintflutartige Regenfälle voraus. In den besonders betroffenen Provinzen im Nordosten Südafrikas gilt nach wie vor die höchste Unwetterwarnstufe Rot.

