Wie ein Bollywood-Blockbuster in Indien polarisiert

Wie ein Bollywood-Blockbuster in Indien polarisiert

Ranveer Singh wird bei einer Veranstaltung des Films 'Dhurandhar' in Mumbai von Fans umringt

Stand: 16.01.2026 16:48 Uhr

Ein neuer Actionfilm aus Bollywood sorgt in Indien für einen Ansturm auf die Kinos – und ruft gleichzeitig Kritiker auf den Plan. “Dhurandhar” spielt mit dem jahrzehntealten Konflikt mit Erzfeind Pakistan.

Peter Hornung, NDR

Wo der Feind steht, das ist klar in diesem Film. “Wir müssen das Zentrum des Terrorismus in Pakistan infiltrieren”, sagt einer der Hauptdarsteller. In dem Film “Dhurandhar” geht es darum, kriminelle Netzwerke auszuheben, die Indien bedrohen. Sie operieren von der Millionenstadt Karachi aus. In Pakistan also, dem Erzfeind Indiens.

“Dhurandhar”, dieser ziemlich brutale Dreieinhalb-Stunden-Film, verwebt reale historische Ereignisse mit einer fiktiven Erzählung: eine Flugzeugentführung 1999, ein Anschlag auf das indische Parlament 2001 und der Terror von Mumbai 2008. Bollywood-Star Ranveer Singh spielt einen indischen Spion, der angebliche Verbindungen zwischen pakistanischen Kriminellen und Terrornetzwerken aufdecken soll. Immer nach dem Motto: wenig Reden, viel Schießen.

Ranveer Singh ist als indischer Spion der gefeierte Star von “Dhurandhar”.

Was steckt hinter dem Kinoerfolg?

Ein begeisterter Kinobesucher schwärmt, dieser Film sei etwas Einzigartiges. Die meisten solcher Filme spielten in Indien, aber hier infiltriere ein indischer Agent Pakistan und lebe dort undercover. “Der Film erzählt all das, über Karachi und alles drumherum. Deshalb ist es so ein guter Film. Man sollte ihn unbedingt sehen.”

“Dhurandhar”, was man recht frei mit Superheld übersetzen könnte, ist ein absoluter Blockbuster: super spannend, schnell und unterhaltsam. Der Film kam vergangenen Monat in die indischen Kinos und ist so erfolgreich, dass selbst der neue Avatar-Film oft nicht gezeigt werden kann. Es fehlen einfach freie Kinosäle.

Der indische Filmkritiker Komal Nahta meint zu wissen, warum. Filme, die patriotische Gefühle beim Publikum wecken, liefen in der Regel gut. Das heiße aber nicht, dass jeder Film mit einem solchen Thema erfolgreich gewesen wäre. “Es liegt am Thema, aber auch an der Inszenierung, an den schauspielerischen Leistungen, an der Musik.” Bei diesem Film, so Nahta, scheint einfach alles gestimmt zu haben.

“Dhurandhar”-Kritiker werden bedroht

Es gibt allerdings auch viel Gegenwind. Der bekannte indische Fernsehmoderator Arnab Goswami schreit seinem Millionen-Publikum entgegen, “Dhurandhar” sei nur Fiktion und Propaganda, Geldverschwendung. Es gebe genug tatsächliche Ereignisse, über die man wirklich Filme machen müsse.

Andere finden den Film extrem nationalistisch und antimuslimisch. Der bekannte Youtuber Dhruv Rathee erkennt in dem Actionfilm gar die Ästhetik von Hitlers Filmemacherin Leni Riefenstahl.

Kritiker wie Rathee werden online massiv beschimpft, manche sogar bedroht, vor allem durch Anhänger der hindunationalistischen Regierung unter Premierminister Narendra Modi, der selbst immer wieder gegen Pakistan austeilt.

In den Golfstaaten verboten

Pakistan ist das absolute Feindbild, für Differenzierungen ist da kein Platz. Ohnehin ist die Atmosphäre in Indien aufgeladen – seit einem schweren Terroranschlag in der indischen Region Kaschmir vergangenen April und einem kurzen Krieg zwischen beiden Atommächten zwei Wochen danach.

In den Golfstaaten ist der Film verboten – auch wegen des aggressiven Nationalismus und der Art, wie das muslimische Pakistan dargestellt wird. Man hat Angst, dass wegen des Bollywood-Streifens dort lebende Inder und Pakistaner aufeinander losgehen.

Worum geht es im Kaschmir-Konflikt?

Die Kaschmir-Region im Himalaya ist zwischen Pakistan und Indien geteilt – beide beanspruchen aber das ganze Gebiet für sich. Die Ursprünge des Konflikts reichen bis in die Kolonialzeit zurück.

1947 entließen die Briten den indischen Subkontinent in die Unabhängigkeit und teilten diesen auf. Aus der Teilung entstand neben dem überwiegend hinduistischen Indien der neue Staat Pakistan für Muslime. Die gewaltvoll verlaufene Teilung nährt bis heute eine erbitterte Rivalität. Seit ihrer Unabhängigkeit führten beide Länder drei Kriege gegeneinander, zwei davon um Kaschmir.

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