Tausende Zivilisten fliehen vor möglicher Offensive in Syrien

Tausende Zivilisten fliehen vor möglicher Offensive in Syrien

Syrische Zivilisten überqueren eine Brücke in der Nähe des Dorfes Rasem al-Harmal al-Imam auf ihrer Flucht östlich von Aleppo.

Stand: 16.01.2026 17:37 Uhr

Die Spannungen zwischen der syrischen Übergangsregierung und den kurdischen Einheiten reißen nicht ab. Nun droht erneut eine Militäroffensive. Tausende Zivilisten sind bei Aleppo auf der Flucht.

In Syrien hält der Konflikt zwischen der Übergangsregierung und den kurdischen Kräften weiter an. Aus Sorge vor neuen Gefechten sind nach syrischen Behördenangaben bereits Tausende Menschen aus dem östlichen Umland von Aleppo geflohen. Sie wollen weiteren Kämpfen zwischen Regierungstruppen und der kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) ausweichen.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters bereitet sich die syrische Armee derzeit auf Angriffe gegen kurdisch kontrollierte Städte im Norden und Osten des Landes vor. Ziel sei es, die nach Autonomie strebenden Kurden zu Zugeständnissen in den festgefahrenen Verhandlungen zu zwingen.

Konflikt um Eingliederung von Kurden

In der vergangenen Woche war es bereits zu schweren Kämpfen in den kurdisch kontrollierten Stadtteilen Aleppos gekommen. Hintergrund ist ein Streit über die geplante Eingliederung der bislang autonomen kurdischen Institutionen in die staatlichen Strukturen. Die Übergangsregierung brachte die kurdischen Stadtviertel Aleppos schließlich militärisch unter ihre Kontrolle.

Nun sollen die SDF-Kämpfer weiter nach Osten gedrängt werden, wo sie weite Teile des Landes unter ihrer Kontrolle haben. Während des Bürgerkriegs galten sie als wichtigster Verbündeter der USA im Kampf gegen die Terrormiliz IS und beendeten deren Herrschaft in Syrien. Ein Abkommen über ihre Eingliederung in die staatliche Armee nach dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad wurde bisher jedoch nicht umgesetzt. Der US-Sondergesandte für Syrien, Tom Barrack, schrieb am Freitag auf der Plattform X, Washington sei in Kontakt mit allen Parteien und versuche, eine Eskalation zu verhindern.

Misstrauen gegen syrischen Übergangspräsidenten

Die Übergangsregierung von Präsident Ahmed al-Scharaa wirft der SDF vor, Assad-Anhänger und Mitglieder der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in ihren Reihen zu dulden. Die Kurden wiederum misstrauen den Versprechen des früheren Anführers der Islamistengruppe HTS, al-Scharaa, ihre Rechte zu gewährleisten. Zudem warnen sie vor einem Wiedererstarken des IS. Seit dem Ende des Bürgerkriegs ist es immer wieder zu Gewalt von Regierungstruppen gegen Minderheiten in Syrien gekommen.

Präsident Al-Scharaa wird am Montag in Berlin zu einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erwartet.

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