Die Computerspielbranche in Deutschland wächst. Das zeigt eine neue Studie des Game-Verbands. Mit anderen Ländern können deutsche Entwickler-Studios aber kaum konkurrieren. Wie die Politik das ändern will.
Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen: Das sind die Hotspots der deutschen PC- und Videospielbranche. Dort haben sich zuletzt die meisten der bundesweit rund 950 Gaming-Unternehmen in Deutschland angesiedelt. Zur Spitze zählen auch Hamburg und Baden-Württemberg.
Die neue Studie im Auftrag des Game-Verbands zeigt: Seit 2018 hat sich die Zahl der Unternehmen insgesamt fast verdoppelt, fast 15.000 Jobs gibt es inzwischen. Das liegt laut der Befragung auch an der staatlichen Förderung: Von 2020 bis 2025 hat der Bund insgesamt 183 Millionen Euro bewilligt beziehungsweise an Spieleentwickler ausgezahlt. “Die Games-Förderung zahlt sich aus für Deutschland”, bilanziert daher Felix Falk, Geschäftsführer des Game-Verbands. Er räumt jedoch zugleich ein: “Wir sind noch klein als Branche. Wir müssen noch wachsen, um gesund zu sein.”
Deutsche Games spielen Nebenrolle
Denn trotz der positiven Entwicklung spielt Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern in Sachen Games-Entwicklung weiterhin eine Nebenrolle: Von 100 Euro, die hierzulande runtergerechnet für Computer- und Videospiele ausgegeben werden, landen laut der Studie nur 5,50 Euro bei deutschen Entwicklern. Der Rest wandert ins Ausland: Die großen Spiele-Blockbuster kommen aus den USA, Kanada oder Großbritannien.
Das hat Gründe: In diesen Ländern wird die Entwicklung von Games zum Teil schon länger und vor allem deutlich verlässlicher vom Staat gefördert als zuletzt in Deutschland, wo auch die politischen Zuständigkeiten mehrfach wechselten. Seit der jüngsten Bundestagswahl hin zu Forschungs- und Technikministerin Dorothee Bär von der CSU. Ihr liege das Thema Games “schon seit Jahrzehnten am Herzen”, betont sie.
Sie hat für das neue Jahr 125 Millionen Euro an Fördergeldern in den Bundeshaushalt eingestellt, verbunden mit einem Appell an die Spieleentwickler: “Von der Branche muss hier natürlich auch etwas kommen. Wir hoffen auf viele Anträge und qualitativ hochwertige Spiele, made in Germany.”
Games als Treiber für neue Technologien
Gehofft wird auch darauf, dass die Games-Branche mit ihrem technischen Know-how, zum Beispiel bei Künstlicher Intelligenz, positiven Einfluss auf die deutsche Wirtschaft und die Forschungslandschaft hat. Diese sogenannten Spillover-Effekte gibt es tatsächlich, weiß Petra Fröhlich, Chefredakteurin des Branchenmagazins Gameswirtschaft: “Zum Beispiel in der Produktion von Kinofilmen oder von Serien, wo auf Game-Technologien zurückgegriffen wird. Oder im Automobilbau. Dafür braucht es aber auch größere Unternehmen, die Erfahrung mitbringen. Das wird ein kleines Spieleentwickler-Studio nicht leisten können.”
Bisher aber fehlen in der deutschen Games-Branche die ganz großen Player. Auch deshalb drängt die Branche neben der Förderung durch den Bund auf steuerliche Entlastungen, um entsprechende Anreize zu setzen. Die haben Union und SPD im Koalitionsvertrag zwar angekündigt, noch aber ist unklar, wann sie tatsächlich kommen.

