marktbericht
Die US-Anleger sind zuletzt von den Geschäftszahlen der großen Banken stets verwöhnt worden. Die neuesten Zahlenwerke der Geldhäuser kommen an der Wall Street aber nicht gut an.
Traditionell eröffnen die großen Geldhäuser die Berichtssaison der US-Unternehmen für das abgelaufene Quartal. Nach Platzhirsch JPMorgan Chase haben nun auch die großen Konkurrenten Bank of America, Wells Fargo und Citigroup ihre Bücher geöffnet. Die beiden Investmentbanken Morgan Stanley und Goldman Sachs werden heute noch erwartet.
Gut, aber nicht gut genug
Es bleibt dabei: Auch im vierten Quartal und im Gesamtjahr 2025 haben bei den großen US-Geldhäuser kräftig die Kassen kräftig geklingelt. Besonders ein florierendes Handelsgeschäft und steigende Gewinne im klassischen Investment Banking, also dem Kauf und Verkauf von Unternehmen, trieben die Gewinne. Hinzu kam und kommt ein weiterhin solides Wirtschaftsumfeld, das den Konsum der US-Verbraucherinnen und Verbraucher anheizte.
“Alle Banken haben eigentlich bis fast zum Ende des Jahres noch vom guten Investmentbanking-Geschäft profitiert”, erklärt Christina Bannier, Professorin für Banking und Finance an der Universität Gießen, im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Es habe sehr viele Transaktionen im vergangenen Jahr gegeben. “Das Handelsgeschäft – aufgrund der Volatilität, die Aktienkurse sind gestiegen – Rohstoffe, Edelmetalle – all das hat sich positiv ausgewirkt. Aber nicht bei allen Banken bis zum Ende des Jahres.”
Gleichzeitig sind aber auch Risiken deutlicher geworden, was bei den bislang so erfolgsverwöhnten Anlegern prompt nicht gut ankam. Sie trennten sich an der New Yorker Börse von ihren Papieren und nahmen damit Gewinne mit.
“Rücksetzer nicht ungewöhnlich”
JPMorgan Chase etwa litt unter den Kosten für die Übernahme des Apple-Kreditkartengeschäfts von Goldman Sachs. Citigroup trennte sich endgültig von seinem Russland-Geschäft und musste rund 1,2 Milliarden Dollar abschreiben. Bei Wells Fargo machten sich höhere Kosten für Personal bemerkbar. Auch die Bank of America, die zweitgrößte US-Bank, konnte sich trotz guter Zahlen dem negativen Börsentrend nicht entziehen.
Jake Johnston, stellvertretender Chefanleger beim Vermögensverwalter Advisors, zeigte sich jedoch gelassen. “Wir sehen bei den Großbanken zwar einige leichte Abweichungen nach unten”, sagte der Experte. “Die Aktien sind im Vorfeld der Zahlen jedoch deutlich gestiegen, sodass ein kleiner Rücksetzer nicht ungewöhnlich ist.”
Kommt die Zinsbremse?
Zudem hat US-Präsident Donald Trump die Finanzbranche im Visier. Er schlägt vor, die Kreditkartenzinsen ein Jahr lang auf zehn Prozent zu deckeln. Treffen würde das zwar primär Kreditkartenfirmen wie Visa oder Mastercard, die blendend an den Kreditkartenschulden ihrer Kunden verdienen – aber auch die Banken könnten mit ihrem Kreditgeschäft betroffen sein.
“Wenn jetzt hier ein Limit für den Kreditzins festgesetzt wird von politischer Seite, dann ist das ein massiver Eingriff in den Markt. Das heißt für die kreditgebenden Banken, dass das Geschäft für sie nicht mehr so rentabel ist”, so Bannier. Darauf könnten sie eigentlich nur reagieren, indem sie gewissen Kunden keinen Kredit mehr zur Verfügung stellen – oder wesentlich weniger.
Die Aussichten für die US-Banken im neuen Jahr sind also gemischt: mit einer noch guten Ertragslage auf der einen – und wirtschaftlichen sowie politischen Risiken auf der anderen Seite. Das könnte sinnbildlich sein auch für andere Branchen, die nun im Laufe der Berichtssaison ihre Bücher öffnen.
Rally-Pause beim DAX
Der DAX setzt am frühen Nachmittag seine Rally-Pause fort und gibt moderat nach. Der deutsche Leitindex bleibt aber auf hohem Niveau und in Reichweite seines Rekordhochs bei 25.507 Punkten vom Wochenanfang. Die Anleger warten auf neue US-Konjunkturdaten am Nachmittag, unter anderem werden Stimmungsindikatoren aus New York und Philadelphia erwartet.
Zudem stehen geopolitische Entwicklungen im Fokus. “Die Berichte über einen möglichen Umsturz im Iran und eine potenzielle US-Intervention sorgen ebenso für Unsicherheit wie die diplomatischen Spannungen rund um das US-Interesse an einer Übernahme Grönlands”, sagte Frank Sohlleder von ActivTrades. Die “geopolitischen Gewitterwolken” seien Gift für die Aktienmärkte.
Übergeordnet bleibt die Stimmung am Aktienmarkt aber gut. Die Investoren setzen auf eine Erholung der deutsche Wirtschaft im neuen Jahr, zudem werden weitere Zinssenkungen in den USA erwartet.
