marktbericht
Seit Weihnachten kennt der DAX kein Halten – am Dienstag markierte der deutsche Leitindex wieder ein Allzeithoch. Verluste an der Wall Street könnten den DAX heute jedoch unter Druck setzen.
Die Börse hat ihre eigenen Gesetze – eines davon lautet: Irgendwann geht jede Rekordserie mal zu Ende. Niemand aber weiß, wann das geschieht. Der DAX hat seine Rally auch am Dienstag wieder fortgesetzt. Zum ersten Mal ging es zeitweise über die Marke von 25.500 Punkten. Heute wird der deutsche Leitindex von Analysten stabil erwartet. Der Broker IG taxiert den DAX vor dem Start in den Handel ziemlich genau auf dem gestrigen Schlusskurs, bei 24.411 Punkten.
Gegenwind für den DAX kommt allerdings von der Wall Street. Den großen Indizes ist an der Börse in New York nach ihren jüngsten Rekordständen die Luft ausgegangen. Der Leitindex Dow Jones Industrial schloss 0,8 Prozent tiefer bei 49.192 Punkten. Der marktbreite S&P 500 fiel am Dienstag um 0,2 Prozent auf 6.964 Zähler, nachdem er am Freitag und Montag Höchststände markiert hatte. Die Tech-Börse Nasdaq 100 gab ebenso um 0,2 Prozent auf 25.742 Punkte nach.
Für die Investoren bleibt die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) eines der ganz großen Themen. Gestern legte das US-Arbeitsministerium Inflationsdaten für den Dezember vor. Zum Jahresende stiegen die Preise in den USA demnach im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Prozent. Das ist etwas weniger stark als erwartet. Die Daten sind maßgeblich für die Zinspolitik der Fed.
“Der große Inflationsschub aufgrund der höheren Zölle blieb bislang aus”, kommentierte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Sollte das weiterhin der Fall sein, habe die US-Notenbank “grünes Licht für weitere Zinssenkungen”. Das wäre ganz nach dem Geschmack von US-Präsident Donald Trump, der die Fed in den vergangenen Monaten unter Druck gesetzt hat, die Zinsen noch stärker zu senken.
Im Fokus stehen weiterhin die Geschäftsberichte der großen US-Banken. Die Bank of America, Wells Fargo und die Citigroup öffnen heute die Bücher. Am Dienstag hatte der Finanzkonzern JPMorgan Chase die Berichtssaison eröffnet. Die Zahlen sorgten für Ernüchterung. Die Übernahme von Apple-Kreditkarten von Goldman Sachs hat JPMorgan, der größten US-Bank, im Schlussquartal 2025 einen Gewinnrückgang eingebrockt. Die Pläne von Bankchef Jamie Dimon für das laufende Jahr fielen indes höher aus als von Branchenexperten im Schnitt erwartet. Die JPMorgan-Aktie verlor letztlich gut vier Prozent.
Auch andere Finanzinstitute gerieten unter Druck, allen voran Anbieter von Kreditkarten. Grund sind Äußerungen von US-Präsident Trump. Er hatte in der vergangenen Woche vorgeschlagen, die Obergrenze für ein Jahr auf zehn Prozent zu begrenzen. Aus der US-Finanzbranche kommt nun Kritik an dem Vorstoß. Die Aktien von Visa und Mastercard verloren rund vier Prozent an Wert. “Die Finanzbranche wird von Trumps Kreditkartenvorschlag hart getroffen”, sagte Tim Ghriskey, Stratege bei Ingalls & Snyder in New York.
Die Blicke der Anleger auf dem Frankfurter Parkett richten sich heute auch nach China. Der Außenhandel der Volksrepublik ist 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 Prozent gewachsen. Das geht aus Daten des chinesischen Zolls hervor. Das Volumen der Importe dagegen blieb stabil. Der Handelsüberschuss Chinas erreichte damit einen neuen Rekordstand von knapp 1,2 Billionen Dollar. Die Zahlen zeigen: Chinas Außenhandel ist 2025 trotz globaler Konflikte und Streitigkeiten mit wichtigen Handelspartnern wie den USA deutlich gewachsen.
Rekorde an der Börse zeigen sich derweil auch in Japan. Der Leitindex Nikkei stieg erneut auf ein Allzeithoch, schloss den Handel auf einem Stand von 54.341 Punkten. Als Kurstreiber gilt die Hoffnung darauf, dass es in Japan bald zu Neuwahlen kommt.
Premierministerin Sanae Takaichi, die seit Oktober 2025 im Amt ist, könnte laut der Nachrichtenagentur Kyodo ihre derzeit hohe Popularität nutzen, um ihre Macht zu festigen. Takaichi steht für eine aggressive Fiskalpolitik und sie befürwortet eine expansive Geldpolitik.
