Marktbericht: Fed-Streit könnte DAX belasten

Marktbericht: Fed-Streit könnte DAX belasten

US-Notenbankchef Jerome Powell bei einer Pressekonferenz


marktbericht

Stand: 12.01.2026 07:46 Uhr

In den USA eskaliert der Streit um die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed. Das könnte die Rekordstimmung trüben: Nachdem der DAX zuletzt an der Marke von 25.300 Punkten kratzte, dürfte er heute leicht zurückfallen.

Besser hätte der Start ins neue Jahr an der Börse nicht laufen können: Der DAX knackte in der vergangenen Woche zum ersten Mal in der Geschichte deutlich die Marke von 25.000 Punkten. Am Freitag hatte er mit zwischenzeitlich 25.281 Punkten eine neue Bestmarke gesetzt und dabei im neuen Jahr bereits wieder drei Prozent zugelegt.

Ob diese Rekordstimmung auch in der neuen Woche anhält, bleibt offen. Der Broker IG taxierte den deutschen Leitindex vor dem Handelsauftakt etwa 0,1 Prozent tiefer auf 25.230 Punkte.

Die Anleger schauen derzeit in die USA. Das Thema dort ist die US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Der Streit um die Unabhängigkeit der Fed eskaliert weiter. US-Präsident Trump liegt schon seit langem im Clinch mit Notenbankchef Jerome Powell. Nun droht die US-Regierung Powell mit einer Klage wegen Falschaussage.

Dabei geht es vordergründig um die Kosten der Sanierung für Gebäude der Fed in Washington. Powell sieht darin aber nur einen Vorwand, um Druck auf die Fed zu machen. Er sagte, es gehe darum, ob die Notenbank die Zinssätze weiterhin auf Grundlage von Fakten und wirtschaftlichen Gegebenheiten festlegen könne, oder ob die Geldpolitik stattdessen von politischem Druck oder Einschüchterung seitens der Regierung bestimmt werde.

Immer wieder hatte Trump die Fed aufgefordert, die Leitzinsen stärker zu senken. Die Notenbank aber pocht auf ihre Unabhängigkeit und betont, sie lege die Zinssätze im öffentlichen Interesse fest, und nicht nach den Präferenzen des Präsidenten. Sinkende Zinsen stärken den Aktienmarkt und die US-Konjunktur – allerdings steigen damit die Inflationsgefahren.

Die Anleger in den USA sind von diesem Streit nicht begeistert. Die US-Futures geben aktuell nach, was auf einen schwachen Start an der Wall Street hindeutet. Am Freitag waren die US-Börsen noch mit Gewinnen ins Wochenende gegangen. Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss 0,5 Prozent höher bei 49.504 Punkten. Der technologielastige Nasdaq rückte 0,8 Prozent auf 23.671 Zähler vor, der S&P 500 stieg 0,6 Prozent auf 6.966 Stellen.

In der abgelaufenen Woche legte der S&P damit 1,6 Prozent zu, die Nasdaq 1,9 Prozent und der Dow 2,3 Prozent.

Gold ist zum Wochenauftakt wegen der sich zuspitzenden Lage im Iran auf ein Rekordhoch gestiegen. In der Nacht kletterte der Preis für eine Feinunze Gold (etwa 31,1 Gramm) bis auf fast 4.600 Dollar. Danach sank der Preis, lag aber am frühen Morgen mit 4.567 Dollar noch immer 1,3 Prozent im Plus.

Händler führten den Preisanstieg primär auf die Situation im Iran zurück. Zudem nannten Experten mit Blick auf den Goldpreis aber auch die wachsende Sorgen über die Unabhängigkeit der US-Notenbank als Argument.

Die geopolitischen Spannungen könnten in dieser Woche am deutschen Aktienmarkt zu negativen Reaktionen führen. Neben der Lage in Iran bleibt der Angriff auf Venezuela und seine Bedeutung für die Energiemärkte ein Thema.

Und nicht nur das: “Ergänzend sorgten jüngste Äußerungen aus Washington zur strategischen Bedeutung Grönlands für Irritationen bei europäischen Partnern”, kommentierte Martin Zurek von der Weberbank. “Für die Kapitalmärkte bedeutet dies insgesamt, dass politische Entscheidungen weiterhin kurzfristig Einfluss auf Rohstoffpreise, Handelsströme und die Marktschwankung nehmen dürften.”

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