Die durchschnittliche Größe einer Wohnung in Deutschland wird einer Studie zufolge in den kommenden Jahren sinken – erstmals seit Jahrzehnten. Das liegt nicht nur an hohen Immobilienpreisen.
Nach Jahrzehnten kontinuierlich wachsender Wohnflächen deutet sich einer Studie zufolge eine Trendwende an. Erstmals seit Beginn der Erhebungen stagniert die durchschnittliche Wohnungsgröße in Deutschland – und in den kommenden Jahren dürfte sie sogar schrumpfen, ergab eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).
Zwischen 1965 und 2024 erhöhte sich die durchschnittliche Wohnungsgröße laut DIW um mehr als ein Drittel – von 69 auf 94 Quadratmeter. Auch die Wohnfläche pro Person ist in dieser Zeit stark angestiegen. Von knapp 20 auf gut 49 Quadratmeter hat sie sich sogar mehr als verdoppelt.
Doch seit etwa 2005 werden Neubauwohnungen wieder kleiner, fanden die Berliner Forscher heraus. Das mache sich nach und nach auch im Bestand bemerkbar: Bis 2050 dürfte die durchschnittliche Wohnung etwa sechs Quadratmeter kleiner sein als heute und bei etwa 88,5 Quadratmetern liegen.
Gegenläufig ist dabei der Trend bei Ein- oder Zweifamilienhäusern: Hier ist der Anstieg der Wohnfläche weiter ungebremst. Wer dort wohnt, hat durchschnittlich fast 160 beziehungsweise 110 Quadratmeter Fläche zur Verfügung – verglichen mit knapp über 130 beziehungsweise 100 Quadratmetern im Jahr 2000.
Trend auch in anderen Industrieländern
“Über Jahrzehnte haben steigende Einkommen und der Wunsch nach mehr Komfort dazu geführt, dass unsere Wohnungen immer größer wurden”, erklärte DIW-Immobilienexperte und Studienautor Konstantin Kholodilin. “Doch die Wachstumsphase scheint vorbei. Der Rückgang der Neubaugrößen signalisiert einen strukturellen Wandel auf dem gesamten Wohnungsmarkt.” Ursache dafür sind demnach kleinere Haushalte und gestiegene Immobilienpreise.
Die Entwicklung in Deutschland ähnele der in vielen anderen Industrieländern. In Belgien, Japan oder Norwegen seien Neubauwohnungen bereits um die Jahrtausendwende kleiner geworden, in Frankreich, Polen und Russland wenige Jahre später.
Demografischer Wandel verändert das Wohnen
Die demografische Entwicklung gilt dabei als Haupttreiber: Der Anteil der Einpersonenhaushalte in Deutschland hat sich dem DIW zufolge seit den 1960er-Jahren auf 41 Prozent verdoppelt – in Großstädten wie Berlin oder München liegt er sogar bei rund 50 Prozent.
Der starke Anstieg der Immobilienpreise seit 2010 verschärfe die Entwicklung. Viele könnten sich größere Wohnungen nicht mehr leisten. Und für Bauträger wiederum seien kleine Wohnungen wirtschaftlich attraktiver.
Doch obwohl die durchschnittliche Haushaltsgröße deutlich geschrumpft ist, dominieren im Bestand nach wie vor große Wohnungen: Kleine Wohnungen mit ein bis drei Zimmern machen weniger als 30 Prozent aus.
“Notwendige Anpassung”
Aus dieser Diskrepanz schließt das DIW, dass der Wohnungsmarkt vor einer Anpassung steht. “Wenn neue Wohnungen kleiner werden, ist dies kein Rückschritt, sondern eine notwendige Anpassung an gesellschaftliche Realitäten”, so Studien-Co-Autor Sebastian Kohl. “Kleinere, gut geschnittene und energieeffiziente Wohnungen werden die zentrale Wohnform der Zukunft sein – und sie sind ein Schlüssel, um den großen Energiebedarf des Gebäudesektors zu senken.”
Dem DIW zufolge gibt es derzeit ein Unterangebot an kleinen Wohnungen. Es würden zwar vermehrt kleinere Wohnungen gebaut, aber in zu geringem Maße. “Deshalb sollte es vor allem darum gehen, die bestehenden Wohnungen umzubauen und zum Beispiel aus größeren Wohnungen kleinere zu machen”, sagte DIW-Immobilienexperte Kholodilin.
