Syrien: Regierungstruppen greifen kurdische Viertel in Aleppo an

Syrien: Regierungstruppen greifen kurdische Viertel in Aleppo an

Ein Mitglied der Sicherheitskräfte steht Wache, während Einwohner aus dem kurdischen Viertel Ashrafieh in Aleppo (Syrien) fliehen.

Stand: 07.01.2026 16:49 Uhr

Immer wieder kommt es im Nordosten Syriens zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und kurdischen Einheiten. Nun droht die Lage zu eskalieren: Das Militär greift kurdische Viertel in Aleppo an. Viele Einwohner müssen fliehen.

Nach erneuten Zusammenstößen zwischen kurdischen Kräften und Regierungstruppen in der nordsyrischen Stadt Aleppo hat die Übergangsregierung dort eine “begrenzte Militäroperation” angekündigt.

Ziel sei es, die Sicherheit wiederherzustellen und Zivilisten zu schützen. Es gehe um die gezielte Bekämpfung von bewaffneten Gruppen, nicht von Zivilisten, so die Übergangsregierung.

Einsatz von Artillerie in der Stadt

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, beschoss die syrische Armee kurdisch kontrollierte Stadtviertel in der Metropole Aleppo mit Artillerie. Zuvor hatte die Armee Zivilisten aufgefordert, die Bezirke bis zum Nachmittag zu verlassen. Zahlreiche Menschen, darunter auch Familien mit Kindern, ergriffen daraufhin die Flucht.

Die Führung in Damaskus wirft den kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) vor, in Aleppo Wohngebiete, Verkehrsstraßen und Sicherheitskräfte anzugreifen. Die Operation erfolge auf Grundlage “einer lokalen Entscheidung sowie einer öffentlichen Forderung von Anwohnern”, hieß es in einer Erklärung.

Medizinische Versorgung beeinträchtigt

Unterdessen leidet offenbar auch die medizinische Versorgung der Bevölkerung. Das berichtet die internationale Hilfsorganisation Help – Hilfe zur Selbsthilfe. Die Kämpfe hätten in weiten Teilen der Stadt zu massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens geführt.

Um die Sicherheit von Projektpartnern und Mitarbeitenden nicht zu gefährden, bleibe eine von Help unterstützte Klinik bis auf Weiteres geschlossen, sagte der Generalsekretär der Hilfsorganisation, Thorsten Klose-Zuber.

“Über die Hälfte der medizinischen Infrastruktur in Syrien ist zerstört. Die Schließung der Klinik ist daher ein schwerer Schlag für die Menschen vor Ort, da sie nun gezwungen sind, für eine medizinische Behandlung deutlich weitere Wege auf sich zu nehmen.”

Eingliederung der Kurden bisher nicht umgesetzt

Bereits am Montag und Dienstag war es in Aleppo zu Gefechten zwischen Truppen der Übergangsregierung und kurdischen Kämpfern gekommen. Allein am Dienstag gab es nach Berichten syrischer Staatsmedien neun Tote. Schulen, Hochschulen, Behörden und der Flughafen der zweitgrößten Stadt Syriens blieben geschlossen.

Im März vergangenen Jahres hatten sich die Kurden und die Übergangsregierung auf eine Eingliederung der bisher autonomen Institutionen in die staatlichen Strukturen geeinigt. Der Vereinbarung nach sollten auch die kurdischen Kämpfer in die Armee eingegliedert werden. Bis heute wurde die Vereinbarung nicht umgesetzt. Zum Jahresende 2025 lief eine Frist aus.

Unter den ethnischen Minderheiten in Syrien stellen Kurden die größte Gruppe. Sie leben vor allem im Nordosten in einem selbstverwalteten Gebiet. Dort liegen auch die meisten Öl- und Gasreserven des Landes.

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