Nach Maduro-Sturz: Was droht Kuba?

Nach Maduro-Sturz: Was droht Kuba?

Die kubanische Flagge weht auf Halbmast an der Antiimperialistischen Tribüne nahe der US-Botschaft in Havanna.

Stand: 06.01.2026 08:58 Uhr

Für Kuba bedeutet der Sturz des venezolanischen Präsidenten Maduro mehr als nur den Verlust eines Verbündeten. Jahrzehntelang floss stark subventioniertes venezolanisches Öl nach Havanna – diese Lebensader ist nun gekappt.

Anne Demmer

Kurz nach dem US-Angriff auf Venezuela spricht der kubanische Staatschef Miguel Díaz Canel vor seinen Anhängern: “Es sind Zeiten, die Entscheidungen verlangen, um Partei zu ergreifen – gegen den Faschismus und den barbarischen Imperialismus”, ruft er in die Menge.

Der kubanische Staatschef verurteilte den US-Militäreinsatz scharf. Bei dem Angriff sind auch 32 kubanische Sicherheitskräfte ums Leben gekommen. Sie waren auf Bitten der venezolanischen Behörden in das südamerikanische Land entsandt worden.

US-Intervention in Kuba?

Doch nicht nur der Verlust der Landsleute dürfte die Kubaner beunruhigen. US-Außenminister Marco Rubio bezeichnete Kuba nicht zum ersten Mal als riesiges Problem. Rubio ist selbst Sohn von Exilkubanern und positioniert sich bereits seit Jahren als Gegner der autoritären sozialistischen Führung in Havanna. Kurz nach dem Angriff auf Venezuela mutmaßte Rubio öffentlich, Kuba könne das nächste Ziel einer US-Intervention werden. 

US-Präsident Donald Trump prophezeite hingegen an Bord der Air Force One vor Journalisten, Kuba werde auch bald fallen. “Sie bekommen ihre ganze Unterstützung von Venezuela. Ich glaube nicht, dass wir etwas tun müssen, es sieht so aus, als würde es einfach fallen.”

Kubas Lebensader gekappt

Denn die politische Krise des verbündeten Venezuela hat auch unmittelbare Konsequenzen für den sozialistischen Karibikstaat. Das südamerikanische Land lieferte vergünstigtes Erdöl, während Kuba im Gegenzug Hunderte Ärzte, Lehrer und Berater nach Venezuela entsandte. Dieses “Öl-gegen-Dienstleistungen”-Modell sei für beide Seiten existenziell wichtig, erklärt der venezolanische Ökonom Manuel Sutherland. 

Zu Spitzenzeiten habe Venezuela täglich 100.000 Barrel Öl an die Kubaner geliefert. Dieses Öl habe Kuba für seine Wärmekraftwerke und einen weiteren Teil für den Verkauf verwendet. “Das gab es im Austausch für Gefälligkeiten, Korruption, Geldwäsche und eine Menge anderer Dinge. Das ging dann auf 20.000 und schließlich auf 14.000 Barrel zurück. Und mit Trumps jüngster Seeblockade kam es praktisch auf null”, so der venezolanische Wirtschaftsexperte. Kuba stehe am Abgrund und da reiche auch nicht die Unterstützung der mexikanischen Regierung, die mit vergleichsweise kleinen Ölmengen hilft.

Misswirtschaft und strukturelle Probleme

Die sozialistische Karibikinsel befindet sich in einer seiner schwersten Krisen seit Jahrzehnten: Regelmäßige Stromausfälle, gravierende Engpässe bei Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff prägen den Alltag. Verantwortlich dafür sind nicht nur die verschärften US-Sanktionen, sondern auch Misswirtschaft und strukturelle Probleme. Rund eine Millionen Menschen haben Kuba seit 2021 verlassen.

Ob internationale Partner wie Russland oder China in dieser Lage bereit sind, Kuba beizustehen, hält Sutherland für fraglich: “Denn auch die Russen und Chinesen sind verärgert über die Kubaner. Sie sind unzählige Male nach Moskau und Peking gereist, um dort um Geld zu bitten. Und die sagen ihnen immer wieder – hört mal, ihr müsst Veränderungen vornehmen, ihr müsst Reformen durchführen, ihr müsst dies tun, ihr müsst jenes tun.”

Generell gebe es keine große Bereitschaft mehr die Kubaner zu unterstützen, so die Einschätzung des venezolanischen Ökonomen. Generell sei von der internationalen Gemeinschaft kaum etwas zu erwarten, niemand wolle riskieren in Trumps Schusslinie zu geraten und für die Unterstützung von Kuba mit Strafzöllen belegt zu werden.

Chance in der Krise?

Während andere Experten glauben, dass diese kritische Situation zu einer Verhärtung des Regimes in Havanna führen wird, sieht der kubanische Wirtschaftswissenschaftler Omar Everleny hingegen in der Krise auch eine Chance. Sie könne die Regierung dazu zwingen, das Land weiter zu öffnen. Je mehr sich die Situation verschlimmere, desto mehr müsse Díaz-Canel über seinen ideologischen Schatten springen, damit die Wirtschaft überlebe. Das bedeute die kleinen und mittleren Unternehmen zu fördern, Importe zu erleichtern, Privatgeschäfte zu erlauben, die bislang noch verboten seien. 

Reformen, über die seit Jahren diskutiert wird, die die kubanische Führung in der Vergangenheit jedoch nur zögerlich umsetzte – aus Angst vor Kontrollverlust. Ob Trumps Vision der vollständigen wirtschaftlichen Austrocknung das Regime tatsächlich zu Fall bringen wird, wird sich zeigen.

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