Werbeverbot für Schokolade und Co. in Großbritannien in Kraft

Werbeverbot für Schokolade und Co. in Großbritannien in Kraft

Süßigkeiten in Boxen stehen in einem Geschäft in London zum Verkauf.

Stand: 05.01.2026 06:19 Uhr

Eine Zuckersteuer gibt es schon seit Längerem, jetzt tritt in Großbritannien eine weitere Maßnahme in Kraft, die Fettleibigkeit bekämpfen soll: Ab heute ist Werbung für ungesunde Lebensmittel vor 21 Uhr verboten.

Franziska Hoppen

Die alljährliche Weihnachtswerbung der Supermärkte ist wie ein Ritual in Großbritannien. Zum Fest der Nächstenliebe sind die Spots nämlich besonders rührend. Doch dieses Jahr mussten die Werbeagenturen kreativer werden als sonst – und sämtliche ungesunden Lebensmittel streichen. Statt auf den schlotzigen Trifle oder die am Christmas Pudding herunterlaufende Brandybutter hielten die Kameras also diesmal auf Rosenkohl und Käsehäppchen.

Offiziell gilt das Werbeverbot für Ungesundes – wie zum Beispiel auch Eis, Schokolade und süße Joghurts – zwar erst ab Januar, doch die Branche hatte sich bereits im Oktober freiwillig verpflichtet. Heißt also: keine Werbung mehr im Fernsehen für zu süße, zu salzige und zu fettige Lebensmittel vor 21 Uhr. Und im Internet überhaupt nicht mehr.

Einigen stößt das übel auf. Etwa einem Moderator des rechten Online-Senders Talk TV. Der Staat sei übergriffig, ärgert sich der Moderator. Typisch Sozialismus, alles solle kontrolliert werden.

Zuckersteuer ausgeweitet – Aus für Sparangebote

Tatsächlich ist das Werbeverbot nur ein Teil mehrerer Maßnahmen, mit denen die britische Regierung gegen ungesunde Lebensweise vorgehen will. 2018 schon hatte die konservative Vorgängerregierung die sogenannte Zuckersteuer auf gesüßte Softdrinks eingeführt. Kürzlich hat die Labour-Regierung sie auf Milchshakes und fertige Kaffeegetränke in Kühlregalen ausgeweitet und auch den beliebten “Zwei-für-eins-” oder “Drei-für-zwei-Sparangeboten” für Süßes und Fettiges den Garaus gemacht.

Vor allem Kinder sollen dadurch weniger beeinflusst werden, erklärte Gesundheitsminister Wes Streeting im Parlament. Fettleibigkeit raube Kindern den bestmöglichen Start, treffe die Ärmsten am härtesten, setze sie einem Leben voller Gesundheitsprobleme aus und koste den ohnehin schon überlasteten staatlichen Gesundheitsdienst NHS Milliarden.

Das Werbeverbot soll helfen, ihn zu entlasten. Jährlich könnten Kinder bis zu 70 Milliarden Kalorien einsparen, rechnet das Gesundheitsministerium vor, und 20.000 Fälle von Fettleibigkeit vermieden werden, womit der NHS wiederum mehr als umgerechnet zwei Milliarden Euro Behandlungskosten sparen würde. Wie genau diese Zahlen berechnet wurden, ist nicht klar.

Jedes zehnte Kind im Alter von vier Jahren fettleibig

Dennoch begrüßen viele Gesundheitsexperten die Maßnahmen, so auch Greg Fell von der Association of Directors of Public Health, Experte für Gesundheitsförderung. Es müsse die richtige Auswahl an Optionen geben. Denn aktuell gilt jedes zehnte Kind im Alter von vier Jahren als fettleibig. Mit fünf Jahren leidet jedes fünfte Kind an Karies.

Die Branche selbst hatte erst gegen das Werbeverbot lobbyiert – und sich dankbar gezeigt, dass die Umsetzung eine ganze Weile gedauert hat. Ursprünglich sollte das Verbot 2023 an den Start gehen. In der Bevölkerung ist die Resonanz gemischt. Auch, weil ungesunde Produkte oft schlicht die günstigsten im Supermarkt-Regal bleiben – egal, wie viel Werbung läuft. 

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