Was wir über den US-Angriff auf Venezuela wissen

Was wir über den US-Angriff auf Venezuela wissen

Fußgänger gehen an zerstörten Containern vorbei, die im Hafen von La Guaira liegen.

Stand: 03.01.2026 16:11 Uhr

Der US-Angriff auf Venezuela dürfte der umfassendste in Lateinamerika seit 1989 gewesen sein. Vieles ist inzwischen klar, vieles aber auch noch nicht. Ereignisse, Zusammenhänge und Reaktionen im Überblick.

Was ist passiert?

Die USA haben in der Nacht Venezuela angegriffen und laut eigenen Angaben den autoritär herrschenden Staatschef Nicolás Maduro gefangen genommen. Er und seine Frau befinden sich laut US-Präsident Donald Trump auf dem US-Kriegsschiff “Iwo Jima”.

Ab etwa 02.00 Uhr Ortszeit stiegen über Caracas schwarze Rauchwolken auf. Für etwa 90 Minuten waren Flugzeuge zu hören. In sozialen Medien kursieren Videos und Fotos, die Explosionen in der Hauptstadt zeigen sollen. Die Luftangriffe richteten sich laut Berichten vor allem gegen Militärstützpunkte, Flugplätze, Kommunikationsanlagen und Häfen. Bei dem US-Angriff wurden laut venezolanischen Angaben Soldaten und Zivilisten getötet. Die Zahl ist aber offen.

Der Angriff dürfte die umfangreichste US-Operation in Lateinamerika seit 1989 sein. Damals stürzten die USA Panamas Machthaber Manuel Noriega wegen mutmaßlicher Verwicklung in den Drogenhandel.

Die USA hatten ihre militärische Präsenz in der Region massiv ausgebaut. US-Streitkräfte hatten in den vergangenen Monaten mehrfach mutmaßliche Drogenboote mit Bezug zu Venezuela angegriffen. Laut US-Regierung wurden dabei mehr als 100 Menschen getötet.

Was sagen die USA zu dem Angriff?

Trump bestätigte auf seiner Plattform Truth Social den US-Angriff und die Ergreifung Maduros und dessen Frau. Er kündigte für 17.00 Uhr MEZ eine Pressekonferenz in Mar-a-Lago an. Noch vor wenigen Tagen hatte er gewarnt, Maduro wäre “klug”, wenn er die Macht abgäbe.

Laut Trump wurde Maduro in einem stark bewachten, festungsartigen Gebäude gefangen genommen worden. “Er war in einer Festung”, sagte Trump in einem Telefoninterview mit dem Sender Fox News.

Justizministerin Pam Bondi erklärte, Maduro werde in den USA der Prozess wegen der “Verschwörung zum Drogenterrorismus” gemacht. Er und seine Ehefrau würden bald mit “dem ganzen Zorn der amerikanischen Justiz auf amerikanischem Boden in amerikanischen Gerichten konfrontiert werden”.

Was werfen die USA Maduro vor?

Die USA werfen Maduro vor, nicht rechtmäßig gewählt zu sein. Washington erkennt Maduro seit 2024 nicht mehr als Präsidenten an. Die von Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado geführte Opposition hatte erklärt, sie habe die letzten Wahlen klar gewonnen.

Trump wirft Maduro außerdem vor, einen Drogenstaat zu führen und die USA mit Drogen zu überschwemmen. Washington beschuldigt Maduro, den Drogenhandel für das “Kartell der Sonnen” zu leiten, dessen Existenz Experten zufolge aber noch bewiesen werden muss.

Maduro hat sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen.

Wie reagiert Venezuela?

Die venezolanische Regierung wirft den USA eine militärische Aggression gegen zivile und militärische Ziele vor. Die Angriffe verletzten die UN-Charta. Den USA gehe es um Venezuelas Bodenschätze und um einen Regierungswechsel.

Vizepräsidentin Delcy Rodriguez sagte, die Regierung wisse nicht, wo Maduro und seine Frau seien. Sie forderte “einen sofortigen Beweis”, dass die beiden leben. Der Chef der sozialistischen Regierungspartei, Nahum Fernández, sagte der Nachrichtenagentur AP, zum Zeitpunkt ihrer Gefangennahme hätten sich Maduro und seine Frau zu Hause auf dem Gelände einer Militäreinrichtung aufgehalten. “Dort haben sie bombardiert”, sagte er. “Und dort haben sie das ausgeführt, was wir als Entführung des Präsidenten und der First Lady des Landes bezeichnen könnten.”

Innenminister Diosdado Cabello rief die Venezolaner dazu auf, nicht mit dem “terroristischen Feind” zusammenzuarbeiten.

Die Regierung beantragte eine Krisensitzung des UN-Sicherheitsrats.

Was sagen andere Staaten?

Der brasilianische Präsident Luiz Inacio ‍Lula da Silva verurteilte den US-Angriff auf Venezuela und die Gefangennahme Maduros. Die Handlungen seien ​ein schwerwiegender Affront gegen die Souveränität Venezuelas und ein extrem gefährlicher Präzedenzfall für die internationale Gemeinschaft.

Russland verurteilte den “Akt bewaffneter Aggression”. Es sei wichtig, eine Eskalation zu verhindern, erklärte das Außenministerium. Der britische Premier Keir Starmer sagte, er wolle sich zunächst über die Fakten informieren sowie mit Trump und Verbündeten sprechen. Er fügte aber hinzu, man müsse das Völkerrecht achten.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas betonte, dass Maduro auch aus Sicht der Europäischen Union kein rechtmäßiger Präsident sei. Aber: “Unter allen Umständen müssen die Grundsätze des Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen eingehalten werden.”

Welche Reaktionen gibt es in Deutschland?

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, die Lage werde “mit größter Sorge” verfolgt. Der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Metin Hakverdi, erwartet Kritik auch aus den USA selbst. “Bereits jetzt gibt es eine innenpolitische Diskussion in den USA, nicht nur Demokraten kritisieren die Militärschläge”, sagte der SPD-Politiker der Nachrichtenagentur Reuters. ​Den US-Angriff müsse man vor dem Hintergrund der neuen nationalen Sicherheitsstrategie der USA verstehen.

Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sprach von einem “Putsch”. “Die USA verlassen mit Präsident Trump endgültig die regelbasierte Ordnung, die uns seit 1945 geprägt hat”, sagte er der “Bild”. Sein Parteifreund Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, sprach hingegen von einem “Signal der Hoffnung für Venezuela”. “Maduro hat seit vielen Jahren die Zivilgesellschaft in Venezuela unterdrückt und Terror und Drogen in der Region verbreitet”, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

“Maduro hat den Menschen in Venezuela ihre Freiheit geraubt”, sagte auch der Grünen-Politiker Omid Nouripour. Doch mit Trumps Alleingang “zerbröselt die regelbasierte internationale Ordnung”, sagte er dem Portal t-online. “Wer wie Trump das Völkerrecht bricht und Präsidenten entführen lässt, der betreibt brutalen Staatsterrorismus”, erklärte der Parteichef der Linken, Jan van Aken. Er forderte Sanktionen wie gegen Russland und dessen Präsidenten Wladimir Putin wegen des Angriffskrieges gegen die Ukraine.

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