Friedensnobelpreis-Verleihung ohne Preisträgerin Machado | tagesschau.de
Aus Sorge um ihre Sicherheit hält sich die venezolanische Oppositionelle Machado aus der Öffentlichkeit fern. Den Friedensnobelpreis wollte sie eigentlich persönlich entgegennehmen. Nun ist klar: Sie kommt nicht nach Oslo.
Die diesjährige Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo wird ohne die Preisträgerin María Corina Machado stattfinden. Das sagte der Direktor des norwegischen Nobelinstituts, Kristian Berg Harpviken, dem Rundfunksender NRK. Wo Machado sich derzeit aufhalte sei demnach unklar. Laut Harpviken wird Machados Tochter Ana Corina den Preis für ihre Mutter entgegennehmen und deren Rede verlesen.
Bis zuletzt war angesichts der Drohungen der autoritären Führung ihres Landes offen, ob Machado zur Preisverleihung reisen kann. Bereits am 10. Oktober wurde der 58-Jährigen der Friedensnobelpreis zuerkannt, der traditionell am 10. Dezember verliehen wird – für ihren Kampf für einen demokratischen Wandel in ihrem südamerikanischen Heimatland. Das Nobelkomitee nannte sie “eines der ungewöhnlichsten Beispiele für Zivilcourage in Lateinamerika in der jüngsten Zeit”.
Seit Januar nicht mehr öffentlich aufgetreten
Machado gilt als führende Widersacherin des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Sie hatte bei der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr gegen Maduro antreten wollen, doch die Regierung verbot ihr die Kandidatur. Der Ersatzkandidat der Opposition, Edmundo González, wurde in einer weithin als manipuliert angesehenen Wahl zum Verlierer erklärt und ging ins Exil, um einer Verhaftung zu entgehen. Machado tauchte unter und wurde seit dem 9. Januar nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen.
Ihre renommierte Auszeichnung widmete sie “dem leidenden Volk Venezuelas” sowie US-Präsident Donald Trump für seine Unterstützung der venezolanischen Opposition. Maduro bezeichnete sie im Anschluss an die Bekanntgabe der Friedensnobelpreisträgerin indirekt als “dämonische Hexe” – ihren Namen nimmt er für gewöhnlich nicht in den Mund.
Das Nobelkomitee war bislang davon ausgegangen, dass Machodo zur Preiszeremonie nach Oslo kommt. Sie selbst hatte beteuert, alles daranzusetzen, um für die größte Ehrung ihres Lebens in die norwegische Hauptstadt reisen zu können. Eine Pressekonferenz mit ihr am Vortag der Preisverleihung, wie es sonst üblich ist, musste jedoch erst verschoben und dann abgesagt werden.
Preis mit rund einer Million Euro dotiert
Es kommt bei den seit 1901 vergebenen Nobelpreisen nur äußerst selten vor, dass Preisträger ihre Auszeichnungen nicht persönlich in Empfang nehmen können. Fünf Friedensnobelpreisträgern war dies in der Preisgeschichte verwehrt geblieben, weil sie zum Zeitpunkt ihrer Auszeichnung in ihren Heimatländern inhaftiert waren.
Der Friedensnobelpreis wird traditionell am 10. Dezember – dem Todestag von Dynamit-Erfinder und Preisstifter Alfred Nobel – feierlich im Osloer Rathaus überreicht. Am selben Tag werden auch die anderen Nobelpreisträger in den weiteren Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Wirtschaftswissenschaften in Stockholm geehrt. Dotiert sind die Preise in diesem Jahr mit jeweils elf Millionen schwedischen Kronen (rund eine Million Euro) pro Kategorie.