Antifa nicht für Jagdschloss-Brand verantwortlich

Antifa nicht für Jagdschloss-Brand verantwortlich

Das ehemalige Jagdschloss auf dem Gelände des Regensburger Golf- und Landclubs steht in Flammen.


faktenfinder

Stand: 27.11.2025 09:11 Uhr

Anfang Oktober ist das Jagdschloss Thiergarten der Familie Thurn und Taxis niedergebrannt. Im Netz war schnell von vorsätzlicher Brandstiftung die Rede, die Antifa stecke dahinter. Doch die Polizei widerspricht.

Pascal Siggelkow, SWR

“Wir stehen hinter Prinzessin Gloria von Thurn und Taxis. Ihr historisches Jagdschloss wurde am 6. Oktober auf tragische Weise von der Antifa zerstört, nachdem diese absichtlich Feuer im Inneren des Gebäudes gelegt hatten. Genau aus diesem Grund haben wir sie als terroristische Organisation eingestuft. Der Gerechtigkeit muss Genüge getan werden: Null Toleranz für solche Terrorakte!” – So äußerte sich der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban knapp zwei Wochen nach dem Brand des Jagdschlosses Thiergarten der Familie Thurn und Taxis im Landkreis Regensburg Anfang Oktober.

Orban war damit der vermutlich prominenteste Verbreiter der Behauptung, dass das Jagdschloss von der Antifa vorsätzlich in Brand gesetzt worden ist. Auch der ehemalige Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), Hans-Georg Maaßen, hatte etwa geschrieben, dass es aussehe, “als hätten wir eine neue Eskalationsstufe des linksextremistischen Terrors in Deutschland erreicht”. Doch die vorschnellen Anschuldigungen im Netz haben sich als falsch herausgestellt.

Keine Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung

Denn wie die Polizei Bayern mitteilte, gibt es keine Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung. So schreibt die Polizei in einer Pressemitteilung: “Die Analyse der Proben und des Spurenmaterials hat ergeben, dass es aktuell keine Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung gibt. Die Ermittlungen bezüglich einer fahrlässigen Brandstiftung oder eines technischen Defekts dauern weiter an. Derzeit werden unter anderem auch Hinweise aus Zeugenvernehmungen überprüft.”

Falsches Bekennerschreiben im Netz

Ein Grund für die vorschnellen Schlussfolgerungen zu den Hintergründen des Jagdschloss-Brands war ein vermeintliches Bekennerschreiben, das drei Tage nach dem Ereignis auf der Plattform “Indymedia” aufgetaucht war.

In dem Schreiben heißt es, mehrere Brandvorrichtungen hätten zur vollständigen Zerstörung des Schlosses geführt. Als Begründung für die vermeintliche Brandstiftung wird unter anderem genannt, dass die Familie Thurn und Taxis seit Jahrhunderten für Monarchie, Menschenverachtung und eine Klassengesellschaft stehe. Gloria von Thurn und Taxis stehe zudem “für die Vernetzung der reaktionärsten Teile der herrschenden Klasse. Sie gehört zu den Teilen der Bourgeoisie, die in Deutschland aber auch der ganzen Welt den wiederkehrenden Faschismus fördern.”

In dem Schreiben steht über Gloria von Thurn und Taxis zudem: “In dem ARD-Podcast ‘nicht mehr mein Land’ verteidigte sie außerdem den führenden Faschisten Björn Höcke.” In einem Artikel des Onlineportals Nius hieß es daher bereits: “Linksextremisten ließen sich von ARD-Podcast zur Tat verleiten.”

Allerdings teilte die Kriminalpolizei Regensburg mit, dass nach ersten Erkenntnissen bislang keine Zusammenhänge zwischen dem Bekennerschreiben und dem Brand des alten Jagdschlosses erkennbar sind.

Öfter falsche Bekennerschreiben auf “Indymedia”

Es wäre nicht das erste Mal, dass auf der Plattform “Indymedia” ein falsches Bekennerschreiben aufgetaucht ist. Denn auf der Plattform, die vom Bundesamt für Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuft wird, kann jeder Texte veröffentlichen.

So gab es in diesem Jahr beispielsweise im Zusammenhang mit einem Tötungsdelikt und einem Brand in München ein falsches Bekennerschreiben. Ein Mann hatte offenbar wegen eines Familienstreits ein Wohnhaus in Brand gesteckt und Sprengfallen deponiert. Ein Post auf der Plattform “Indymedia” erweckte jedoch zeitweise den Eindruck, es könnte einen Zusammenhang zur Antifa geben.

2017 erklärten angeblich linksextreme Blogger über “Indymedia”, für den Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verantwortlich zu sein. Auch hier stellte sich das Schreiben als Fälschung heraus.

Gloria von Thurn und Taxis befeuert Falschbehauptung

Gloria von Thurn und Taxis befeuerte selbst ebenfalls die Falschbehauptung, dass die Antifa hinter dem Brand am Jagdschloss stünde. In einem am 8. November hochgeladenen Video des rechtsextremen Magazins Compact behauptete sie, dass es Brandstiftung gewesen sei. Weiter sagte sie: “Wir wollen glauben, dass es die Antifa war, weil die eben nichts Gutes im Schilde führen. Aber die offiziellen Stellen wollen das nicht wahrhaben.”

Gloria von Thurn und Taxis ist nach ARD-Recherchen in der rechtspopulistischen Szene gut vernetzt und fällt mit rechten Thesen auf. Sie ist regelmäßig Interviewpartnerin bei Portalen wie “Nius” oder “AUF1”.

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