Wie gefährlich ist Bambus im Gerüstbau?

Wie gefährlich ist Bambus im Gerüstbau?

Arbeiter errichten Bambusgerüste für die Instandhaltung von Außenwänden.


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Stand: 27.11.2025 16:52 Uhr

Hongkong ist einer der letzten Orte weltweit, in denen Bambusgerüste noch eine große Rolle spielen. Nach dem tödlichen Hochhausbrand ist der traditionelle Baustoff in den Fokus gerückt. Welche Rolle spielte er – und warum gibt es überhaupt Gerüste aus Bambus?

Welche Rolle spielten die Bambusgerüste bei dem Brand?

Die Hochhäuser waren mit traditionellen Bambusgerüsten verkleidet – wegen Renovierungsarbeiten. Daran waren zusätzlich Schutznetze befestigt. Das Feuer war aus noch ungeklärter Ursache ausgebrochen und habe sich dann von diesem “sehr brennbaren Gerüstmaterial” von “Gebäude zu Gebäude” ausgebreitet, sagt Roland Goertz, Lehrstuhlinhaber für chemische Sicherheit und abwehrenden Brandschutz an der Bergischen Universität Wuppertal, im Interview mit tagesschau24.

Die Behörden prüfen nun insbesondere die Sicherheitsstandards von Bambusgerüsten und Netzen. Die Ermittler vermuten, dass Schutznetze, Planen und Plastikfolien möglicherweise nicht den Brandschutznormen entsprochen hatten. Möglicherweise wurde auch ein nicht zugelassener, hoch entflammbarer Dämmstoff verwendet.

Wie brennbar ist Bambus?

Bambus hat laut Brandschutzexperte Goertz eine “äußere Beschichtung”, die “eigentlich ganz gute Brandeigenschaften” habe. “So ganz leicht fängt es nicht an zu brennen. Wenn es aber brennt, dann brennt natürlich das gesamte Gerüst und das Feuer breitet sich nach oben aus.” Eine Besonderheit beim Bambus sei auch, dass sich die einzelnen Teile “explosionsartig praktisch zerlegen”.

Warum werden in Hongkong Gerüste überhaupt aus Bambus gebaut?

In vielen Ländern Asiens haben Bambusgerüste eine lange Tradition. Hongkong ist einer der letzten Orte weltweit, an dem Bambus noch in großem Umfang für Baugerüste verwendet wird. Sie gehören fest zum Stadtbild. Die Arbeiter, die die Gerüste aufbauen, werden “Spinnen” genannt – sie binden per Hand die einzelnen Stäbe mit Plastikbändern zusammen.

Bambus gilt als guter Baustoff, weil er sehr stabil und biegsam ist, außerdem ist er relativ billig und wächst schnell. Laut Jörg Endriss aus dem ARD-Studio Peking sagen manche Baufirmen, Bambus koste ein Bruchteil des Preises für ein Stahlgerüst. Deshalb werde es auch gerne verwendet, besonders auch in Hongkong.

Welche Zukunft haben Bambusgerüste?

Gegen die traditionell verwendeten Bambusgerüste gab es immer wieder Bedenken – wegen der Brandschutzsicherheit. Bereits im März hatten Hongkongs Behörden erlassen, dass bei öffentlichen Aufträgen jetzt zu einem Großteil Stahlgerüste verwendet werden müssen, um den Brandschutz zu verbessern, so Endriss.

Nach dem Feuer wird in Hongkong nun wieder über die Bambusgerüste diskutiert. Hongkongs Verwaltungschef Eric Chan kündigte an, dass man nun so schnell wie möglich umfassend von Bambus- auf Stahlgerüste umstellen werde. Zwar sei Bambus vielseitig einsetzbar, beim Brandschutz aber deutlich schlechter als Stahl.

Welche Konsequenzen gab es bisher noch?

Am Morgen nahm die Polizei drei Männer wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung fest – zwei Direktoren und einen technischen Berater eines Bauunternehmens. Sie wurden mit den Renovierungsarbeiten beauftragt. Dabei sollen sie nicht zugelassene Materialien für die Gerüstnetze verwendet und die Fenster mit Polystyrolplatten versiegelt haben. Diese hochentzündlichen Stoffe hätten dazu geführt, dass sich die Flammen rasch ausbreiten konnten, berichtete die South China Morning Post. 

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