Am “Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen” veröffentlichen die Vereinten Nationen erschreckende Zahlen: Mehr als 80.000 Frauen sind im vergangenen Jahr Opfer von Femiziden geworden – die meisten von ihnen in ihrer Partnerschaft.
Etwa alle zehn Minuten wird nach Schätzungen der Vereinten Nationen eine Frau oder ein Mädchen zum Opfer tödlicher Gewalt innerhalb der Beziehung oder Familie.
Im vergangenen Jahr seien weltweit etwa 83.000 Frauen gezielt umgebracht worden – und in rund 60 Prozent der Fälle sei der Täter ein Familienmitglied oder Lebenspartner gewesen, teilten die UN anlässlich des “Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen” mit. Im Gegensatz dazu seien nur elf Prozent der Tötungsdelikte an Männern von Intimpartnern oder Familienangehörigen begangen worden.
Femizide seien oft Teil eines “Kontinuums von Gewalt”, sagte Sarah Hendriks, Direktorin der Politikabteilung von UN Women. Es beginne mit Kontrolle, Drohungen und Belästigungen, auch online. Jede Frau und jedes Mädchen habe das Recht, in allen Bereichen ihres Lebens sicher zu sein. Die Staaten müssten mehr tun, um die Morde zu verhindern und Täter zur Rechenschaft ziehen.
Große regionale Unterschiede
Die Zahlen basieren den Angaben zufolge auf Daten aus 117 Ländern. Besonders häufig sind derartige Femizide – also Fälle tödlicher Gewalt, in denen Frauen wegen ihres Geschlechts umgebracht werden – laut der UN-Statistik in afrikanischen Ländern. Dahinter folgen Süd- und Nordamerika. In asiatischen und europäischen Ländern gibt es zwar immer noch viele, gemessen an der Einwohnerzahl aber vergleichsweise deutlich weniger Femizide.
Erst kürzlich hatte eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergeben, dass mehr als 30 Prozent aller Frauen weltweit im Laufe ihres Lebens bereits Gewalt erfahren haben. Die WHO geht von 840 Millionen Opfern aus. Das wahre Ausmaß des Problems sei aber noch größer, da viele Betroffene aus Angst nicht darüber sprechen wollten, heißt es darin.
Zahl der Opfer steigt auch in Deutschland
In Deutschland starben vergangenes Jahr nach Zahlen aus dem Bundesinnenministerium 308 Frauen und Mädchen infolge von Gewalttaten. In 191 Fällen handelte es sich beim Täter demnach um den Partner, Ex-Partner oder ein Familienmitglied. Die Zahl der Opfer von häuslicher Gewalt in Deutschland stieg im vergangenen Jahr um rund 100.000, auf mittlerweile 266.000. Das geht aus einem Lagebericht des Bundeskriminalamtes hervor.
Seit mehr als drei Jahrzehnten steht der 25. November weltweit für den “Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen”. Der Aktionstag – auch als “Orange Day” bekannt – macht mit orangefarben angestrahlten Gebäuden, öffentlichen Demonstrationen und diversen Veranstaltungen auf die verbreitete Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam.
