Seit Montag um 5 Uhr ist die Sperrung des Kölner Hauptbahnhofs aufgehoben. Fern- und Regionalzüge fahren wieder. Doch bald wird die Geduld der Reisenden erneut strapaziert.
1.300 Züge und hunderttausende Reisende pro Tag: Der Kölner Hauptbahnhof gehört zu den wichtigsten Drehkreuzen Deutschlands. Ausgerechnet hier war zehn Tage lang fast alles zum Erliegen gekommen. Reisende mussten auf die U- und S-Bahnen umsteigen oder, wenn sie mit Fern- oder Regionalzügen nach Köln kamen, auf die Bahnhöfe in Deutz oder Ehrenfeld ausweichen.
Eigentlich wollte die Bahn im Zeitraum der Sperrung ein neues, modernes Stellwerk installieren und in Betrieb nehmen. Doch dann entdeckte das Unternehmen Fehler in der Software, wegen dem das neue System nicht in Betrieb genommen werden konnte.
Zweite Sperrung im Frühjahr 2026
Die Sperrung wurde beibehalten, um viele der geplanten Arbeiten dennoch umzusetzen, so die Deutsche Bahn. Es wird aber eine zweite Sperrung nötig, die voraussichtlich im März 2026 stattfinden soll. Einen konkreten Termin gibt es noch nicht.
Die Geduld der Reisenden und Pendler wird dann erneut auf die Probe gestellt. Zwar werde diese Sperrung kürzer sein als die erste, wie ein Sprecher betonte – trotzdem markiert die Panne einen weiteren peinlichen Höhepunkt im nicht enden wollenden Management-Chaos der Deutschen Bahn.
Das beschäftigt auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst. In einem Instagram-Video am vergangenen Dienstag hatte er die DB scharf kritisiert. “Man hat manchmal den Eindruck, die Bahn macht das zum ersten Mal”, sagte Wüst im Video. Für die erneuten Verzögerungen habe er “ehrlich gesagt gar kein Verständnis”.
Händler beklagen Einbußen
Auch der Einzelhandel im Hauptbahnhof könnte auf einen zweiten “Shutdown” gut verzichten. Die zehntägige erste Sperrung habe für massive Einbußen gesorgt, berichten Händlerinnen und Händler dem WDR.
Martin Blamberg, Leiter der dean&david-Filiale im Hauptbahnhof, spricht von einem Umsatzminus von bis zu 60 Prozent. “Dafür gibt es auch keine Entschädigungen. Die Miete bleibt unverändert und auch unsere Fixkosten sind dieselben”, sagt er. Turgut Bozbayir leitet ein Backwaren-Geschäft am Ausgang zum Breslauer Platz. Er sagt: “Wir merken schon, dass viele Kölnerinnen und Kölner, die hier vorbeikommen, bei uns einkaufen – auch diejenigen, die hier am Hauptbahnhof arbeiten. Da haben wir wirklich einen Vorteil mit unserer Lage.” Trotzdem habe er während der Sperrung 50 Prozent weniger Umsatz gemacht, so Bozbayir.
Weihnachtsgeschäft kann anlaufen
Immerhin: Pünktlich zur finanziell lukrativen Weihnachtszeit fließt der Verkehr wieder ohne Einschränkungen und hunderttausende Menschen täglich beleben den Hauptbahnhof. Wenn es im kommenden Frühjahr zur nächsten Sperrung kommt, bleibt allen Betroffenen nichts anderes übrig, als sich mit der Situation zu arrangieren. Erfahrung damit haben sie ja.
Unsere Quellen:
- Deutsche Bahn
- Gespräche mit Händlern im Kölner Hauptbahnhof
- Instagram-Video von Hendrik Wüst
- Deutsche Presse-Agentur
