Die Preise für Lebensmittel sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die Monopolkommission kommt zu dem Ergebnis, dass dadurch vor allem der Lebensmittelhandel gewinnt.
Es hat wohl etwas mit Marktmacht zu tun. 2014 kostete ein Liter Milch im Supermarkt nach Zahlen der Monopolkommission 70 Cent. 40 Cent davon gingen an die Landwirte. 2023 kostete ein Liter Milch 1,05 Euro. Aber trotzdem gingen immer noch 40 Cent an die Landwirte. Sprich: Die Verbraucher mussten deutlich mehr bezahlen an der Supermarktkasse – aber die Erzeuger, die Landwirte, hatten davon nichts.
Dieser Preisvergleich für Milch sei besonders drastisch, sagt Tomaso Duso, der Vorsitzende der Monopolkommission. Aber er zeige ein grundsätzliches Problem: “Alles deutet auf eine geschwächte Wettbewerbssituation entlang der Lebensmittellieferketten in Deutschland hin. Und wir finden das problematisch”, so Duso heute bei der Vorstellung des Sondergutachtens “Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette”.
Gestiegene Margen der Händler
Die Monopolkommission konstatiert in der 287 Seiten umfassenden Untersuchung eine zunehmende Marktkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel. Die Dominanz der großen Vier – Edeka, REWE, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland – sei über die Jahre kontinuierlich gewachsen. Von 67 Prozent des Umsatzanteils im Jahr 2000 auf 87 Prozent im Jahr 2023. Sprich: Für die kleineren Wettbewerber bleiben nur 13 Prozent des Umsatzes im Lebensmittelhandel.
Das habe Folgen: Die Monopolkommission verweist auf gestiegene Gewinnmargen der Supermarktketten. Und auch darauf, dass die Preise in Deutschland stärker angestiegen sind als in anderen EU-Ländern. Ein Hinweis darauf, dass die Marktmacht der Händler auch zum Nachteil für die Kunden ist.
Bundeskartellamt soll genauer hinschauen
Für die gestiegenen Lebensmittelpreise gebe es aber auch äußere Faktoren wie Verteuerungen auf dem Weltmarkt oder die gestiegenen Energiepreise. Allerdings falle auf: Wenn die Erzeugerpreise für Landwirte steigen, mache sich das sehr schnell an der Supermarktkasse bemerkbar, sagt Duso. “Wenn die Preise bei den Landwirten sinken, denn werden die Preissenkungen in den folgenden Stufen nicht vollständig und viel langsamer weitergegeben.”
Rupprecht Podszun von der Monopolkommission empfiehlt dem Bundeskartellamt, genauer hinzuschauen und bestehende Regeln effizienter anzuwenden. Zudem brauche es verdachtsunabhängige Verfahren der Behörden und ein Verbandsklagerecht. “Der Landwirt, der eh schon unter Druck gesetzt wird von seinem Verarbeiter, geht im Zweifel nicht zum Bundeskartellamt und wehrt sich auch nicht vor Gericht.”
Zudem empfiehlt die Monopolkommission zukünftig eine stärkere Fusionskontrolle in der Branche. “Wir sehen wenig Raum dafür, dass im Lebensmitteleinzelhandel noch irgendwelche Fusionen in Deutschland möglich sind”, betont Podszun.
Übernahmen beeinträchtigen den Wettbewerb
Aus Sicht des Gremiums hat insbesondere die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka 2017 dem Wettbewerb erheblich geschadet. Auch die Lebensmittelindustrie muss aus Sicht der Monopolkommission stärker in den Blick genommen werden. Durch immer mehr Eigenmarken würden die Supermärkte auch in der Lebensmittelherstellung zunehmend an Bedeutung gewinnen, ihre Marktmacht gegenüber den Landwirten weiter stärken.
Die Kommission geht allerdings nicht so weit, eine Entflechtung der großen Vier zu fordern oder auf Preiskontrollen zu setzen. “Uns ist sehr an pragmatischen Vorschlägen gelegen und nicht an einer stetig wachsenden Bürokratie”, sagt Constanze Buchheim von der Monopolkommission. “In der Praxis würde es zu unglaublichen Herausforderungen führen.”
Die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka hatte Auswirkungen.
Handelsverband weist Kritik zurück
Die Monopolkommission als unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung kann nur Empfehlungen aussprechen – anders als das Bundeskartellamt, das für die Wettbewerbsaufsicht zuständig ist und das auch Fusionen untersagen kann. Aus Sicht von Oxfam Deutschland sollte die Behörde eine Entflechtung der Branche in den Blick nehmen. Denn Verbraucher und Landwirtschaft würden die Rechnung für fehlenden Wettbewerb zahlen.
Der Handelsverband Deutschland verweist dagegen auf höhere Kosten für Energie, Personal und Wareneinkauf, die zu gestiegenen Lebensmittelpreisen geführt hätten. Anders als die Monopolkommission gibt sich der Branchenverband überzeugt: Der Wettbewerb funktioniere.

