Lieber erstmal den KI-Chatbot zur Gesundheit befragen, statt zum Arzt zu gehen? Eine neue Umfrage zeigt, wie stark Künstliche Intelligenz bereits das Verhalten mancher Menschen beeinflusst. Es gibt allerdings auch Bedenken.
Immer mehr Menschen in Deutschland fragen KI-Chatbots, wenn sie etwas über Gesundheitsthemen und Symptomen wissen möchten. Das hat eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergeben.
Demnach vertrauten 55 Prozent der Befragten den Antworten des Chatbots. Für knapp ein Drittel (30 Prozent) seien Diagnosen einer KI ähnlich wertvoll wie die Zweitmeinung eines Arztes. Etwa ein Sechstel habe sich mindestens einmal über die Empfehlung eines Mediziners hinweggesetzt und stattdessen dem Chatbot vertraut.
45 Prozent geben an, ihre persönlichen gesundheitlichen Fragen einem Chatbot zu stellen. Zehn Prozent nutzen diese Möglichkeit sogar häufig, weitere 17 Prozent zumindest manchmal. Mehr als die Hälfte vertraut den Antworten von Chatbots auf gesundheitliche Fragen.
KI sinnvoll für eine Zweitmeinung
Jeder Zweite versteht seine Symptome mit KI-Chatbots besser als mit der herkömmlichen Internetsuche. Dennoch sind sich 39 Prozent unsicher, wieviel sie den KI-Bots anvertrauen sollen.
Für Bitkom-Vizepräsidentin Christina Raab sind Vertrauen und Transparenz entscheidend. “Die Menschen müssen nachvollziehen können, wie die KI zu ihren Empfehlungen kommt, um sie verantwortungsvoll einzusetzen”, erklärte sie.
Die Mehrheit der Befragten hält Künstliche Intelligenz für sinnvoll, um eine Zweitmeinung für medizinische Entscheidungen einzuholen. Auch die Früherkennung von Krebs oder die Analyse von Röntgen- oder CT-Bilder betrachtet eine Mehrheit als nützlich. 56 Prozent schätzen KI bei organisatorischen Aufgaben in Praxen. 15 Prozent können sich keine sinnvolle Nutzung von KI im Gesundheitswesen vorstellen.
Bedenken wegen Datenmissbrauch und weniger Zuwendung
Viele haben bei KI im Gesundheitswesen aber auch Bedenken. Die größten Sorgen machen sich die Befragten um einen möglichen Datenmissbrauch und eine geringe menschliche Zuwendung in der Behandlung. Auch bei möglichen Fehlentscheidungen gibt es Bedenken. Jeder Dritte gab an, vor dem Einsatz der KI in der Medizin Angst zu haben.
KI biete Chancen für Diagnose und Therapie im Gesundheitswesen, erklärte Raab. “Damit sich diese Potenziale entfalten können, müssen Patientendaten bestmöglich geschützt werden”, forderte sie.
88 Prozent der Befragten halten die Digitalisierung im Gesundheitswesen aber grundsätzlich für richtig. Bitkom forderte, den Einsatz von KI stärker zu fördern – allerdings durch mehr Innovationen, eine risikobasierte Regulierung und schnelle Zulassungswege. Vertrauen und Transparenz müssten garantiert sein. Für die Umfrage wurden 1.145 Menschen ab 16 Jahren befragt.
