Mehr als jedes siebte Kind in Deutschland laut Statistischem Bundesamt armutsgefährdet

Mehr als jedes siebte Kind in Deutschland laut Statistischem Bundesamt armutsgefährdet

Kinder stehen in einer Kita nebeneinander.

Stand: 17.11.2025 12:18 Uhr

Ein kaputtes Bett kann nicht ersetzt werden, Kino ist nicht drin, ein Urlaub auch nicht. 2,2 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland sind armutsgefährdet. Ein Risikofaktor: Ein niedriger Bildungsabschluss der Eltern.

Jedes siebte Kind (15,2 Prozent) in Deutschland war im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt armutsgefährdet. Das entspricht etwa 2,2 Millionen Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Das ist ein leichter Anstieg – im Jahr davor hatte der Anteil bei 14 Prozent gelegen.

Als armutsgefährdet gelten nach statistischer Definition Menschen, die über weniger als 60 Prozent des mittleren “Nettoäquivalenzeinkommens” verfügen. Das bedeutet, Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern und einem Netto-Einkommen von weniger als 2.900 Euro im Monat sind armutsgefährdet. Für Alleinerziehende mit einem Kind sind es weniger als 1.795 Euro netto. Bei einer alleinlebenden Person liegt die Grenze bei 1.381 Euro netto pro Monat.

Kein neues Bett, kein Kino, keine Geburtstagsfeier

Was Armut für Kinder und Jugendliche konkret bedeutet, haben die Statistiker auch abgefragt. Kein Geld für ein neues Bett? 19 Prozent der Kinder und Jugendlichen leben in einem Haushalt, der abgewohnte oder kaputte Möbel nicht ersetzen kann. Zwölf Prozent konnten sich zuletzt keine einwöchige Urlaubsreise leisten, fünf Prozent mussten auf Freizeitaktivitäten wie die Mitgliedschaft im Sportverein oder Kinobesuche verzichten, rund drei Prozent auf ein zweites Paar Alltagsschuhe in gutem Zustand.

Zwischen einem und zwei Prozent der unter 16-Jährigen konnten aus finanziellen Gründen keine Freunde zu sich nach Hause einladen, keine Feste zu Anlässen wie einem Geburtstag feiern oder täglich frisches Obst und Gemüse bekommen, heißt es weiter.

Abgefragt wurden 17 Merkmale. Wenn mindestens drei Kriterien aus finanziellen Gründen nicht erfüllt werden können, gelten die Betroffenen als materiell oder sozial benachteiligt.

Zwei besondere Risikofaktoren

Stärker von Armut gefährdet sind Kinder und Jugendliche von Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss sowie mit Migrationsgeschichte. Unter 18-Jährige, die selbst oder deren Eltern beide nach Deutschland eingewandert sind, seien etwa vier Mal so häufig armutsgefährdet wie Gleichaltrige ohne Einwanderungsgeschichte, so die Statistiker.

Wenn die Eltern über einen niedrigeren Bildungsabschluss verfügten, lag die Armutsgefährdungsquote bei 41,8 Prozent. Hatten die Eltern einen höheren Bildungsabschluss wie etwa ein abgeschlossenes Studium, waren 7,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen von Armut bedroht.

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