737-MAX-Absturz: Boeing muss Opferfamilie 28 Millionen Dollar zahlen

737-MAX-Absturz: Boeing muss Opferfamilie 28 Millionen Dollar zahlen

Rettungskräfte an der Absturzstelle einer Boeing 737 Max 8 nahe Addis Abeba.

Stand: 13.11.2025 09:35 Uhr

Die UN-Mitarbeiterin Shikha Garg kam vor mehr als sechs Jahren beim Absturz einer Boeing 737 MAX in Äthiopien ums Leben. Eine US-Jury hat ihrer Familie nun mehr als 28 Millionen Dollar Entschädigung zugesprochen.

Gut sechseinhalb Jahre nach dem Absturz einer Boeing-Maschine vom Typ 737 MAX in Äthiopien hat eine US-Jury den Flugzeugbauer zu einer Millionen-Entschädigung verurteilt. Boeing muss der Familie der indischen UN-Mitarbeiterin Shikha Garg 28,45 Millionen Dollar zahlen. Das verkündeten die Geschworenen nach zweistündiger Beratung.

Das Urteil beendete einen einwöchigen Prozess vor einem Bundesgericht in Chicago – dem ehemaligen Hauptsitz von Boeing.

Boeing will keine Berufung einlegen

Garg war 32 Jahre alt, als der Flug 302 der Ethiopian Airlines nur wenige Minuten nach dem Start in Addis Abeba abstürzte, so ihre Anwälte. Gargs Familie warf Boeing vor, die 737 MAX sei fehlerhaft konstruiert gewesen. Zudem habe es Boeing versäumt, Passagiere und Öffentlichkeit vor den Gefahren zu warnen.

Insgesamt erhält Gargs Familie 35,85 Millionen US-Dollar – die volle Entschädigungssumme zuzüglich 26 Prozent Zinsen. Boeing wird zudem keine Berufung gegen das Urteil einlegen, wie die Anwälte der Familie mitteilten. Shanin Specter und Elizabeth Crawford, die die Familie vertraten, erklärten in einer Stellungnahme, das Urteil sorge für eine öffentliche Rechenschaftspflicht für Boeings Fehlverhalten.

Zwei Flugzeugabstürze, 346 Tote

Es war der erste Zivilprozess im Zusammenhang mit dem Unglück vom März 2019, bei dem alle 157 Insassen des Fluges 302 von Ethiopian Airlines ums Leben kamen. Fünf Monate zuvor war vor der Küste Indonesiens eine weitere Boeing-737-MAX-Maschine abgestürzt – alle 189 Insassen starben.

Nach den beiden Abstürzen hatten Dutzende von Opferfamilien Klagen gegen Boeing eingereicht wegen fahrlässiger Tötung. Der US-Flugzeugbauer hat in den meisten Fällen außergerichtliche Einigungen erzielt. Die Details dieser Einigungen wurden jedoch vertraulich behandelt und nicht veröffentlicht. Laut Anwälten sind weniger als ein Dutzend Klagen noch anhängig.

Nach dem Urteil in Chicago teilte eine Boeing-Sprecherin in einer Stellungnahme mit, das Unternehmen bedauere zutiefst den Verlust von Angehörigen. “Obwohl wir die überwiegende Mehrheit dieser Ansprüche durch Vergleiche beigelegt haben, haben die Familien auch das Recht, ihre Ansprüche gerichtlich geltend zu machen, und wir respektieren dieses Recht”, sagte sie.

Softwarefehler und Mängel bei der Pilotenausbildung

Nach dem Absturz der 737 MAX in Äthiopien wurde ein weltweites Flugverbot für Maschinen vom Typ Boeing 737 MAX verhängt. Das Flugverbot stürzte Boeing zwischenzeitlich in eine tiefe Krise. Es wurde ab Ende 2020 schrittweise wieder aufgehoben.

Untersuchungen zu den beiden Abstürzen ergaben, dass es bei der 737 MAX unter anderem ein Problem mit der Stabilisierungssoftware MCAS und Mängel bei der Ausbildung von Piloten gab. Boeing hat die Software inzwischen überarbeitet.

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