Immer wieder holt die Epstein-Affäre US-Präsident Trump ein – nun scheinen ihn neu veröffentlichte E-Mail-Auszüge zu belasten. Der republikanische Vorsitzende im Repräsentantenhaus kündigte eine Abstimmung zur Offenlegung der Akten an.
In den USA sieht sieht sich Präsident Donald Trump zunehmendem Druck ausgesetzt, alle Akten zur Affäre um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein offenzulegen. In der kommenden Woche ist dazu eine Abstimmung im Repräsentantenhaus geplant, wie der republikanische Vorsitzende der Parlamentskammer, Mike Johnson, vor Journalisten ankündigte. Demokraten in der Opposition, aber auch einige von Trumps Republikanern drängen seit Monaten darauf.
Zuletzt gab die Verbreitung bislang unveröffentlichter E-Mails von Epstein den Kritikern des Präsidenten neuen Auftrieb. Die von den Demokraten veröffentlichten Schreiben legen nahe, dass Trump über die Straftaten und die von Epstein und seiner einstigen Vertrauten Ghislaine Maxwell aufgebauten Missbrauchsstrukturen Bescheid wusste. Trump selbst weist dies zurück.
“Natürlich wusste Trump über die Mädchen Bescheid”
Die E-Mails gehören zu 23.000 Dokumenten, die aus Epsteins Nachlass an den Kontrollausschuss im US-Repräsentantenhaus übergeben wurden. In einer Mail vom 2. April 2011 schrieb Epstein an Maxwell, die ihm immer wieder minderjährige Mädchen gebracht haben soll und deshalb im Gefängnis sitzt: “Ich möchte, dass dir klar wird, dass der Hund, der noch nicht gebellt hat, Trump ist. (Geschwärzter Name) hat Stunden in meinem Haus mit ihm verbracht, er ist kein einziges Mal erwähnt worden.”
In einer zweiten Mail aus dem Jahr 2019 schrieb Epstein vor seinem Tod in einer Gefängniszelle dem Journalisten Michael Wolff: “Natürlich wusste Trump über die Mädchen Bescheid, da er Ghislaine gebeten hat aufzuhören.”
Weißes Haus spricht von Kampagne gegen Trump
Das Weiße Haus warf den Demokraten eine Kampagne gegen Trump vor. “Die Demokraten haben selektiv E-Mails an liberale Medien durchsickern lassen, um eine falsche Erzählung zu schaffen, die Präsident Trump diffamieren soll”, erklärte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt.
Dass deren eigentlicher Inhalt falsch sei, behauptete die Regierungszentrale nicht. Später veröffentlichten die Republikaner rund 20.000 Seiten Mailverkehr aus Epsteins Nachlass. Die neuen Veröffentlichungen werfen erneut die Frage auf, über die seit Monaten diskutiert wird: Hat Trump von Epsteins Taten gewusst und trägt er eine Mitschuld? Epsteins Nachlass wird derzeit von einem Kongressausschuss überprüft. Die veröffentlichten E-Mail-Auszüge sollen aus den Jahren 2011, 2015 und 2019 stammen.
Epstein 2019 tot in Gefängniszelle gefunden
Der verurteilte Sexualstraftäter Epstein war 2019 erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden worden. Im Obduktionsbericht wurde Suizid als Todesursache genannt. Ihm war vorgeworfen worden, zahlreiche Mädchen und junge Frauen missbraucht und Prominenten zugeführt zu haben.
Epsteins plötzlicher Tod und seine breiten Kontakte in die amerikanische High Society lösten Spekulationen über die mögliche Verwicklung einflussreicher Kreise aus. Vor seiner Festnahme waren Prominente und Milliardäre bei ihm ein- und ausgegangen – auch Trump verbrachte Zeit mit Epstein, wie mehrere Party-Videos belegen. Ein Fehlverhalten in der Affäre konnte ihm allerdings nie nachgewiesen werden.
Nur Auszüge aus Akten bekannt
Zu dem Fallkomplex gibt es umfangreiche Akten, aus denen bislang nur Auszüge bekannt sind. Im Wahlkampf hatte Trump versprochen, die Dokumente vollständig offenzulegen. Weil dieses Versprechen seit seinem Amtsantritt im Januar jedoch nicht eingelöst wurde, steht der Präsident unter wachsendem Druck.
Für die Demokraten ist das heikle Thema auch ein willkommenes Instrument, um Trump unter Druck zu setzen. Wegen des Shutdowns – des Teilstillstands der Regierungsgeschäfte infolge des Haushaltsstreits – tagte das Repräsentantenhaus viele Wochen lang nicht. Doch jetzt scheint die Blockade zumindest vorübergehend gelöst – und der Fall Epstein holt den US-Präsidenten wieder ein.
