Erneut ist ein Boot im Mittelmeer gekentert: Nach UN-Angaben werden 42 Menschen vermisst. Sie sind nach dem Unglück vor Libyen vermutlich tot. Nun hat die NGO Ärzte ohne Grenzen angekündigt, ihre Rettungseinsätze wieder aufzunehmen.
Bei einem Bootsunglück vor der Küste Libyens sind nach UN-Angaben offenbar mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen. Wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitteilte, werden 42 der 49 Insassen des Boots noch vermisst. Sie seien vermutlich tot. Sieben Menschen seien nach dem Untergang des Schlauchboots gerettet worden, sie trieben den Angaben zufolge mehrere Tage im Meer.
Die Menschen stammen nach Angaben der IOM aus dem Sudan, Somalia, Kamerun und Nigeria. Nach Angaben der Überlebenden sei das Schlauchboot gegen 3.00 Uhr morgens in Zuwara, Libyen mit 47 Männern und zwei Frauen an Bord ausgelaufen. Rund sechs Stunden später sei es bei hohem Wellengang wegen eines Motorschadens gekentert. Fünf Tage später leiteten die libyschen Behörden der IOM zufolge einen Bergungseinsatz ein, bei dem die sieben Überlebenden gerettet wurden. Unklar ist derzeit, warum der Einsatz erst so spät begann.
Immer mehr Menschen versuchen die Flucht über die zentrale Mittelmeerroute von Nordafrika nach Europa.
Eine der gefährlichsten Fluchtrouten der Welt
In diesem Jahr starben bereits mehr als tausend Migranten bei dem Versuch, von der nordafrikanischen Küste aus das Mittelmeer zu überqueren. Die Strecke durch das zentrale Mittelmeer gilt als eine der gefährlichsten Flüchtlingsrouten der Welt. Seit 2014 kamen laut Zahlen der IOM insgesamt etwa 33.000 Migranten im Mittelmeer ums Leben.
Die EU-Kommission erklärte mit Blick auf das jüngste Bootsunglück, die Zusammenarbeit mit Ländern wie Libyen müsse verstärkt werden, um die gefährliche Überfahrt von Migranten über das Mittelmeer zu verhindern und kriminelle Schleusernetzwerke zu bekämpfen.
Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 leidet Libyen unter Instabilität. Das Land hat sich zu einer der wichtigsten Drehscheiben für Schleuserbanden in Afrika entwickelt. Es brauche “sichere und reguläre Migrationsrouten”, forderte die IOM. Auch seien effektivere Such- und Rettungseinsätze nötig.
Ärzte ohne Grenzen will Rettungseinsätze wieder aufnehmen
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen kündigte unterdessen an, nach rund einjähriger Unterbrechung ihre Rettungseinsätze im zentralen Mittelmeer wieder aufzunehmen. Die Organisation will nach eigenen Angaben Menschen auf der Flucht künftig mit dem kleineren und schnelleren Schiff “Oyvon” helfen. “Als medizinische und humanitäre Organisation ist unser Engagement, auf See präsent zu sein und Menschen auf der Flucht zu helfen, ungebrochen”, sagte der Einsatzleiter für Seenotrettung von Ärzte ohne Grenzen, Juan Matías Gil.
Ärzte ohne Grenzen hatte sich im Dezember 2024 gezwungen gesehen, die Rettungseinsätze des Schiffs “Geo Barents” einzustellen. “Restriktive” Vorschriften Italiens hatten den Betrieb nach Angaben der Organisation unmöglich gemacht und zur mehrmaligen Festsetzung des Schiffs geführt.
Die Organisation kündigte an, im zentralen Mittelmeer künftig auch die Erfahrungen von Menschen zu dokumentieren, die aus Libyen fliehen, gewaltsame Abfangmanöver der libyschen Küstenwache und erzwungene Rückführungen nach Libyen erleben. “Wir sehen Menschen, die in Libyen erbärmliche und unmenschliche Bedingungen, Haft, Missbrauch und Erpressung erlitten haben”, erklärte Gil.
