Indische Raffinerien dürfen für 30 Tage wieder russisches Öl verarbeiten. Das hat US-Finanzminister Bessent bekannt gegeben. Denn durch den Krieg in Nahost sind die weltweiten Preise für Öl und Gas in die Höhe geschnellt.
Die Ausnahmeregelung ist eine Reaktion auf die weltweit steigenden Ölpreise. Sie gilt nach Angaben aus den USA zunächst für einen Monat und ist begrenzt auf Öl, das bereits auf Tanker verladen, aber noch nicht ausgeliefert wurde. Mit der Regelung soll wieder verstärkt Öl auf den Weltmarkt gelangen, so das US-Finanzministerium.
Die Maßnahme wurde nötig, weil Indien von Ölimporten besonders abhängig ist. Nach den erst kürzlich geschlossenen Handelsverträgen mit den USA darf Indien eigentlich kein Öl mehr aus Russland beziehen. Stattdessen kauft das Land Öl regulär auf dem Weltmarkt ein. Die hohe Nachfrage aus Indien aber treibt die Preise zusätzlich.
Praktisch kein Schiffsverkehr am Persischen Golf
Weltweit sind die Energiemärkte durch den Krieg im Nahen Osten aktuell stark beeinträchtigt. Sorge bereitet vor allem die Lage an der Straße von Hormus, durch die ein großer Teil des globalen Ölhandels geht. Der Schiffsverkehr durch die Wasserstraße ist nahezu zum Erliegen gekommen.
Das Joint Maritime Information Center (JMIC) hat am Morgen gemeldet, dass die Durchfahrten durch die Straße von Hormus auf einstellige Werte zurückgegangen sind. Die multinationale Marineberatungsgruppe hat dazu Schifffahrtssignale in der wichtigen Öl- und Gashandelsroute ausgewertet.
Stau von 400 Öl- und Gastankern
Demnach sind in den vergangenen 24 Stunden nur zwei bestätigte kommerzielle Durchfahrten beobachtet worden. Bei den Durchfahrten handelte es sich den Angaben zufolge um Frachtschiffe und nicht um Öltanker. Arabische Medien berichten, dass sich inzwischen mehr als 400 Öl- und Gastanker an der Einfahrt zur Meerenge stauen.
US-Präsident Donald Trump hatte kürzlich zwar zugesagt, die US-Navy könne Schiffe schon bald durch die Straße von Hormus geleiten. Militärexpertinnen und Militärexperten bezweifeln aber, dass dieses Vorhaben ohne größere Gefahren umzusetzen ist. Große Versicherer verweigern deshalb die nötigen Policen für eine Weiterfahrt, oder verlangen sehr hohe Gebühren.
Russland ist Nutznießer
Russland, das einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, dürfte damit zumindest kurzfristig seine Einnahmen aus dem Rohöl-Verkauf steigern können. Indien ist seit dem russischen Angriff auf die Ukraine einer der größten Abnehmer russischen Öls gewesen.
Die US-Regierung spielt die Vorteile für Russland allerdings herunter. “Diese bewusst kurzfristige Maßnahme wird der russischen Regierung keinen nennenswerten finanziellen Vorteil verschaffen”, betonte Finanzminister Bessent. Er sprach von einer Überbrückungsmaßnahme, die den Druck auf den Weltmarkt für Öl vermindern werde.
Der Iran hatte nach dem Angriff der USA und Israels die wichtige Straße von Hormus gesperrt und mehrere Tanker beschossen, die eine Durchfahrt versucht haben. Auch wichtige Raffinerien wurden bombardiert. Die Öl- und Gaspreise sind seit dem Angriff auf den Iran weltweit in die Höhe geschossen.
