100 Tage vor Fußball-WM – Wie sicher ist Mexiko?

100 Tage vor Fußball-WM – Wie sicher ist Mexiko?

Countdown zur WM in Guadalajara, Mexiko.

Stand: 03.03.2026 • 20:16 Uhr

Noch 100 Tage bis zum Anpfiff: Wenn im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt die Fußball-WM losgeht, sollen Fans und Mannschaften ein sicheres, modernes Land erleben. Doch zuletzt waren die Zweifel gewachsen.

Jenny Barke

In der Woche nach dem Tod des Kartellbosses “El Mencho” findet in Mexiko ein Freundschaftsspiel statt, der Gastgeber tritt gegen Island an. Die Partie ein Hochsicherheitsevent. Der Fußball interessiert weniger als die Frage, ist dieses Spiel sicher? Die Fans kommen mit gemischten Gefühlen in das Stadion in Querétaro, eine Stadt zwei Stunden nördlich von Mexiko-Stadt.

“Es wird sehr sicher sein!”, gibt sich ein Mann überzeugt. Eine Frau hingegen meint: “Ich bin etwas ängstlich, unsicher, aber wir sind hier.”

Unruhen und Gewalt am WM-Austragungsort

Es ist eine Partie vor vollen Rängen, die zum Testlauf für die Männer-Fußball-WM wird. Denn an Mexiko als Gastgeberland sind die Zweifel gewachsen. Das Land ist vergangene Woche kurzzeitig ins Chaos gestürzt, als Kartellmitglieder Tankstellen, Autos und Geschäfte angezündet, landesweit Straßen blockiert und die Menschen mit Schießereien in Angst versetzt haben. Auch am WM-Austragungsort Guadalajara, Hauptstadt des Bundesstaats Jalisco, Namensgeber des Kartells.

FIFA-Präsident Gianni Infantino zerstreut Bedenken. “Wir haben vollstes Vertrauen in Mexiko und in seine Präsidentin.”

Und Präsidentin Claudia Sheinbaum demonstriert nach den Vorfällen Gelassenheit. “Es gibt absolut kein Risiko, nicht das geringste Risiko.”

Mexiko sei sicher, dank der koordinierten Zusammenarbeit aller Behörden – das soll der Einsatz beim Freundschaftsspiel von Querétaro zeigen: Mehr als 1.000 Beamte schützen das Stadion. Nichts wird dem Zufall überlassen, drei Sicherheitsringe, Helikopter, Hundestaffel. Mexiko sei bereit für die WM, sagt der Einsatzleiter General Salgado. “Das ist für uns hier eine Chance, zu zeigen, was die Nationalgarde kann, um die Menschen zu schützen, die Nationalmannschaften und die Touristen.”

Nur eine Sicherheitsblase?

Daran hat David Faitelson seine Zweifel. Der Sportmoderator wird die WM kommentieren. Er meint, dass sie eigentlich so nicht stattfinden dürfe. “Die Regierung ist nicht in der Lage, meine Sicherheit als Mexikaner zu garantieren. Für uns ist das aber irgendwie normal geworden. Wir gehen nur mit großer Vorsicht auf die Straße und meiden es, zu bestimmten Tageszeiten an bestimmten Orten zu sein.” Er kritisiert, dass der Staat nur für Teams und Fans eine Sicherheitsblase schaffe.

David Mora, Analyst von der Crisis Group für Mexiko, hingegen schätzt, dass die Kartelle selbst interessiert an ruhigen Spielen und vielen finanzstarken Touristen sind, denn die Kartelle seien Wirtschaftsunternehmen. “Die Nachfrage nach Drogen und sexuellen Dienstleistungen wird steigen, und damit verdienen die Kartelle einen Großteil ihres Geldes.” Die Kartelle seien keine terroristische Organisation, denn sie verfolgten keine “politische, ethnische oder religiöse Agenda”, sagt Mora.

Dass es für WM-Fans gefährlich sei, glaubt auch Claus Witte nicht. Der Deutsche lebt seit vielen Jahren in Guadalajara. “Gefährlich leben die, die entführt werden, die erpresst werden, die für die Narcos arbeiten müssen und dazu gezwungen werden.”

“Willkommen in Mexiko”

Obwohl in einigen Teilen Mexikos Kartellgewalt zum Alltag gehört, sind sie in Mexiko-Stadt überzeugt, dass die Fans ihre beste Zeit hier haben werden – wie ein paar Jugendliche, die auf einem Bolzplatz kicken. “Willkommen in Mexiko, wir erwarten euch mit offenen Armen!”, sagt einer von ihnen. Und ein anderer ergänzt: “Fußball ist alles hier. Wir atmen ihn, schwitzen ihn aus. Das werden die Ausländer lieben!”

Zurück in Querétaro beim Freundschaftsspiel: Es endet 4 zu 0 für Mexiko. Bewährungsprobe bestanden. Die nächste folgt Ende März bei den WM-Playoffspielen, auch in Guadalajara.

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