100 Jahre Lufthansa: Luftverkehrsbranche steht vor dem Umbruch

100 Jahre Lufthansa: Luftverkehrsbranche steht vor dem Umbruch

Flugzeuge verschiedener Airlines während der Abfertigung am Frankfurter Flughafen Fraport.


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Stand: 06.01.2026 12:20 Uhr

Die Lufthansa wird 100 Jahre alt. Sie ist noch immer Deutschlands erfolgreichster Flugkonzern. Aber international kann die deutsche Luftfahrtbranche kaum mithalten. Und dann sind da noch die Klimaziele.

Melanie Böff

Die Flugbranche steht schon seit Jahren vor großen Herausforderungen – und diese werden in Zukunft nicht kleiner. Im Jetzt läuft es aber noch, und zahlenmäßig sogar richtig gut. Die weltweite Luftfahrt steuert auf Rekordgewinne zu.

“Wir haben Wachstum nach Covid eigentlich in jedem Jahr. Es gab erst die Aufholeffekte, die sind jetzt durch”, sagt Luftfahrtexperte Michael Gierse von Union Investment. Weltweit sehe man gerade ein Wachstum von drei bis vier Prozent im vergangenen Jahr und das seien auch die Erwartungen für 2026.

100 Jahre Lufthansa

In Europa ist die Lufthansa der umsatzstärkste Luftverkehrskonzern, sie feiert gerade 100-jähriges Jubiläum. Bei der Kernmarke aber knirscht es. Jahrelang habe die Lufthansa versucht, die Tochtergesellschaft Eurowings ins Positive zu bringen, so Gierse. Das sei ihr auch gelungen, aber auf der anderen Seite sei der Gewinn bei der Lufthansa weggebrochen.

Das ist ein Sammelsurium von verschiedenen Marken in der Lufthansa. Ich würde sagen, es sind viel zu viele Marken.

Michael Gierse, Union Investment

Deutlich weniger Inlandsflüge

Dazu kommt: Innerdeutsch fliegt kaum noch jemand. Und das trifft besonders die Lufthansa. Der Konzern reagiert mit einem harten Sparprogramm – 4.000 Stellen sollen wegfallen.

International gesehen steht auch der gesamte Luftverkehrsstandort Deutschland unter Druck. Billigairlines ziehen sich zurück – zu hoch sind die Kosten. Da gehe es unter anderem um Personal, sagt Gierse, aber auch um regulatorische Kosten mit Blick auf Energie. “Zum Beispiel wurde den europäischen Fluggesellschaften auferlegt, dass sie zwei Prozent alternatives Kerosin beimischen müssen. Wir nennen das SAF.”

Nicht genügend nachhaltiger Kraftstoff

SAF – kurz für Sustainable Aviation Fuel. Nachhaltiger Kraftstoff also, der aber teurer ist als herkömmliches Kerosin und dazu noch knapp. Es gebe nicht genug davon, sagt Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. Es sei schwer, ausreichend SAF zu bekommen.

“Und in den nächsten Jahren soll der Anteil steigen und da ist zurzeit nicht abzusehen, ob wirklich genügend Mengen zur Verfügung stehen.” Das sei aus Sicht des Umweltschutzes “wirklich ganz bitter”.

Sauberer und moderner werden

Die Branche hat sich dazu verpflichtet, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen – ob das klappt? Das bezweifeln viele in der Branche. Sauberer und moderner zu werden, bleibe die große Herausforderung, sagt Verkehrsexperte Jürgen Pieper.

Das wird in der Luftfahrt lange dauern. Die Elektrifizierung eines Flugzeugs ist wesentlich schwerer als die eines Automobils oder eines Schiffes.

Jürgen Pieper, Verkehrsexperte

Die Fortschritte seien wohl eher langsam, die Schritte zunächst klein durch modernere Flotten oder geringeren Spritverbrauch. “Große Durchbrüche wird es hier erstmal nicht geben”, lautet Piepers Einschätzung.

Gebühren und Luftverkehrssteuer sollen sinken

Bei den Kosten hat die Branche der Politik zuletzt Druck gemacht. Jetzt plant die Bundesregierung unter anderem, Gebühren und die Luftverkehrssteuer zu senken – ein Versuch, Deutschland als Standort wettbewerbsfähiger machen.

“Die Lufthansa und Co. können sich freuen, weil das für sie natürlich zusätzlichen Gewinn bedeutet – bei den Passagieren wird da nichts ankommen”, sagt Luftfahrtexperte Großbongardt. Hinzu komme: Von diesen Erleichterungen profitierten nicht nur deutsche Airlines, sondern auch die internationalen Konkurrenten. Branchenexperten sind sich einig: Der große Wurf sind diese Regierungspläne noch nicht.

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